14.10.2019

Martini-Klinik Hamburg – Vorreiter der Outcome-Messung

Wie das größte Prostata-Zentrum der Welt zu seinem heutigen Erfolg kam

Martini Klinik Hamburg
© Creative Commons Zero (CC0) (Source: Wikipedia)
3 Key Facts
  • In wenigen Jahren hat sich die Martini Klinik zum größten Prostatazentrum weltweit entwickelt.
  • Zentrale Innovation ist die systematischen Erfassung von PROMs.
  • Outcomes werden für jeden Arzt erhoben und intern verglichen.

Mit ca. 2400 Prostatektomien pro Jahr verzeichnet die Martini-Klinik mehr Eingriffe dieser Art als jedes andere Krankenhaus weltweit – und das, obwohl sie erst vor etwas mehr als 10 Jahren gegründet wurde. Über Patient Reported Outcome Measures (PROMs) erfasst man hier Behandlungsergebnisse schon während des Klinikaufenthaltes und auch viele Jahre danach. Die Ärzte nutzen diese Daten, um Verbesserungspotenziale und Schwachstellen zu identifizieren, OP-Methoden weiterzuentwickeln, voneinander zu lernen – und sich so als führendes Prostatakrebszentrum zu bestätigen.

Outcome-Erfassung von Anfang an

Schon im Jahr 1994 begannen die Professoren Hartwig Huland und Markus Graefen, damals noch ärztlich im Uniklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) tätig, mit der Sammlung von klinischen und administrativen Daten sowie Behandlungsergebnissen jedes Patienten. Anfangs benutzten sie dazu noch eine Excel-Tabelle, im Laufe des Projektes jedoch wurde die Messung zunehmend systematisiert.1 Als Prof. Huland schließlich 2005 mit einigen Kollegen die Martini-Klinik als spezialisiertes Prostatakrebsszentrum aus dem UKE heraus gründete, wurde auch die Outcome-Messung auf ein neues Level gehoben.2

Regelmäßige Re-Evaluation

Jeder Patient der Klinik füllt vor und nach der Behandlung in regelmäßigen Zeitabständen umfangreiche und standardisierte Fragebögen aus. Trotz des anfangs hohen Aufwands beträgt die Follow-up Rate auch nach mehreren Jahren knapp 90% (Stand: 2013).1 Die Gesamtergebnisse werden nicht nur regelmäßig veröffentlicht, sondern auch intern ausgewertet und dienen als Feedback-Instrument.

Alle 6 Monate erhalten die Chirurgen einen ausführlichen Bericht über ihre Behandlungsergebnisse und die ihrer Kollegen. Ärzte mit schlechteren Outcomes bekommen dann Hilfestellungen von besseren Kollegen. Zeigt sich ein Arzt besonders erfolgreich, werden dessen OP-Modifikationen schrittweise dem ganzen Team beigebracht. So steigt die Operationsqualität immer weiter an.3

Martini-Klinik Hamburg - Vorreiter der Outcome-Messung 1
Martini-Klinik im Vergleich. Quelle: Martini-Klinik4
Interner Vergleich funktioniert

Dieses transparente Vergleichssystem funktioniert – ganz ohne Konkurrenzdruck oder schlechtes Betriebsklima. Bedingt ist das wahrscheinlich durch das aus Amerika importierte „Faculty“-System, welches viele gleichberechtigte Chefärzte (im Herbst 2019: 12) mit unbefristeten Verträgen vorsieht.5 So werden die Operateure gleichgestellt und haben langfristig Sicherheit. Außerdem erhalten alle leitenden Ärzte qualitätsabhängige Bonuszahlungen – gute Outcomes lohnen sich also auch finanziell für alle.6

Eingebettet ist die Outcome-Erhebung in ein interdisziplinäres Behandlungskonzept, mit umfassender, patientenzentrierter Betreuung. Insgesamt erzielte die Martini-Klinik so überdurchschnittliche Behandlungsergebnisse, die auch wirtschaftlichen Erfolg ermöglichen.

Qualität lohnt sich

Mit ca. 2400 Prostatektomien pro Jahr ist die Martini-Klinik mittlerweile führend bei Prostata-Operationen. So stiegen die Fallzahlen zwischen 2005 und 2011 jährlich um 18.5 % bei einem deutschen Gesamtwachstum von 1.1 %.1 Laut Geschäftsführer Dr. Detlef Loppow ist die Spezialklinik außerdem renditestärkste Tochter des UKE. Seit ihrer Gründung habe sie immer einen Überschuss erwirtschaftet, der im Jahr 2015 insgesamt 23,5 Millionen Euro betrug.6 Um den steigenden Patientenzahlen gerecht zu werden, plant das UKE sogar einen 100 Betten und 8 Operationssäle fassenden Neubau.7

Martini-Klinik in der Wissenschaft

Auch in der Forschung und Entwicklung weiterer PROMs sind Experten der Martini-Klinik beteiligt. Sie wirkten beispielsweise an den Fragebogen-Sets für lokalisiertes und fortgeschrittenes Prostatakarzinom des International Consortium for Health Outcomes Measurement (ICHOM) mit. Seit 2017 ist auch heartbeat als erstes deutsches Unternehmen Partner von ICHOM. Wir hoffen mit unserer Outcome-Software weitere Kliniken für ein Value Based Healthcare Konzept zu begeistern und somit künftig mehr Erfolge nach dem Vorbild der Martini-Klinik zu ermöglichen.

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Verfasst von

Lion Thiel

Medizinstudent und Doktorand an der Charité. Schreibt für heartbeat regelmäßig über Wissenschaft, Politik und Medizin.

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Quellen

  1. https://www.martini-klinik.de/fileadmin/Dateien/PDFs/Veroeffentlichungen/HarvardBusinessSchoolReport_Zusammenfassung_dt.pdf (Accessed October 30th 2018)
  2.  https://www.martini-klinik.de/die-martini-klinik/eine-einmalige-klinik/ (Accessed October 30th 2018)
  3. https://eiuperspectives.economist.com/healthcare/value-based-healthcare-germany-free-price-setting-regulated-market/white-paper/value-based-healthcare-germany-free-price-setting-regulated-market (Accessed October 14th 2019)
  4. https://www.martini-klinik.de/fuer-patienten/resultate/ (Accessed October 14th 2019)
  5. https://www.martini-klinik.de/die-martini-klinik/team/faculty-leitende-aerzte/ (Accessed November 14th 2018)
  6. https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/klinikmanagement/article/889759/martiniklinik-juwel-hamburger-uke.html (Accessed October 30th 2018)
  7. https://biermann-medizin.de/mehr-aerzte-und-betten-fuer-die-martini-klinik/ (Accessed October 14th 2019)