Oft unerkannte Gefahr Mangelernährung: Diakonie-Klinikum Stuttgart und Klinikum Friedrichshafen gehen mit neuem Qualitätsprogramm PROvalue Nutri voraus

Berlin/Stuttgart/Friedrichshafen, 12.11.2025 – Mangelernährung ist ein häufig übersehenes, aber gravierendes Risiko für die Gesundheit von Patientinnen und Patienten. Betroffene können sich langsamer erholen, haben ein höheres Risiko für Komplikationen und bleiben länger im Krankenhaus. Um hiergegen vorzugehen, haben das Diakonie-Klinikum Stuttgart und das Klinikum Friedrichshafen mit Heartbeat Medical das neue Qualitätsprogramm PROvalue™ Nutri gestartet: Nun werden Patientinnen und Patienten digital gescreent und das Fachpersonal direkt zu den potenziellen Risikofällen geleitet, um Sie bestmöglich zu behandeln.

Flächendeckendes digitales Screening und ernährungsmedizinische Kompetenz vor Ort

Zwischen 20 und 60 Prozent aller Patient:innen in deutschen Krankenhäusern sind bei Aufnahme laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM) mangelernährt oder gefährdet. Neben einer erhöhten Morbidität und Mortalität bei akuten Erkrankungen und chirurgischen Eingriffen kann eine vorliegende und nicht erkannte Mangelernährung zu einer verzögerten Genesung, längeren Krankenhausverweildauern und erhöhten klinischen Behandlungskosten führen. Um die Erkennungsrate zu erhöhen, das Fachpersonal gezielt einzusetzen und den Betroffenen bestmöglich zu helfen haben das Diakonie-Klinikum Stuttgart und das Klinikum Friedrichshafen den Qualitätsvertrag PROvalue Nutri zur stationären Erkennung und Behandlung von Mangelernährung an ihren Häusern etabliert. Dabei wird auf der bereits vorhandenen digitalen Plattform heartbeat OS für Screening und Versorgungssteuerung aufgebaut und ein dafür vorgesehener Vergütungsmechanismus genutzt.

Die Versicherten beantworten im Screening, das den Empfehlungen der DGEM folgt, zunächst einen Fragebogen bequem über das eigene Mobiltelefon oder ein Tablet vor Ort. Aus den Fragen zu Körpermaßen, Alter, Ernährungsgewohnheiten und dem allgemeinen Gesundheitszustand wird automatisch ein Risikowert berechnet. Überschreitet dieser Wert ein festgelegtes Level, wird das klinische Fachpersonal in Echtzeit über den Fall und die Werte der betroffenen Person informiert, um zeitnah ein vertieftes Assessment vorzunehmen und möglicherweise Maßnahmen gegen eine vorliegende Mangelernährung einzuleiten. Passiert dies rechtzeitig vor einem Eingriff, profitieren die Betroffenen deutlich stärker davon gegenüber einer Mangelernährung, die erst nach dem Eingriff während der Genesungsphase erkannt wird.

Hier setzt das PROvalue Nutri Programm auf die Kompetenz der Ernährungsteams, die einen direkten Einfluss auf die gesundheitliche Lebensqualität der Betroffenen und ihre Komplikations- und Genesungsparameter sowie die Verweildauer im Krankenhaus nehmen kann. Bei unauffälligen digitalen Screeningwerten ist eine personalintensive Erfragung des Ernährungszustands nicht mehr notwendig, während die Wahrscheinlichkeit einer unerkannten Mangelernährung für Patientinnen und Patienten abnimmt.

Ernährungsmedizin als Hebel für verbesserte Ergebnis- und Lebensqualität

Im Rahmen des Qualitätsvertrags stellt die die Plattform heartbeat OS die digitale Infrastruktur für Screening, Risikoberechnung und Versorgungssteuerung bereit, während die beteiligten Kliniken die Expertise ihrer Ernährungsteams in das Programm einbringen. Dr. med. Dr. rer. nat. Patrizia Marini, Ärztliche Leitung der Ernährungsmedizin des Diakonie-Klinikums Stuttgart, betont die bislang oft unterschätzte Rolle der Ernährungsmedizin im Gesundheitswesen: „Eine stärkere Integration der Ernährungsmedizin in Qualitätsverträge, der Ausbau von Schulungsangeboten für Fachkräfte sowie eine frühzeitige, präventive Diagnostik von Mangelernährung sind entscheidende Schritte, um die ernährungsmedizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern.“

Den direkten Einfluss auf die gesundheitliche Ergebnisqualität stellt Dr. oec. troph Julia Pilgram, Leiterin der Ernährungsmedizin der Klinikum Friedrichshafen GmbH heraus: “Mangelernährung ist ein behandlungsbedürftiges Krankheitsbild und kann den Krankheitsverlauf und die Prognose der betroffenen Person massiv verschlechtern. Je früher sie entdeckt wird, umso zügiger kann eine gezielte Ernährungstherapie eingeleitet werden. Wir freuen uns sehr, mit starken Partnern eine strukturelle Verbesserung in diesem Kontext im Klinikalltag zu etablieren.”

“Wir freuen uns, nun auch im Bereich der Ernährungsmedizin mit dem PROvalue-System digital unterstützen zu können”, sagt Felix Compes, Director Customer Relations bei Heartbeat Medical. “Für die Vision eines flächendeckenden und vollwertigen Screenings auf Mangelernährung arbeiten wir an einer ressourcenschonenden Unterstützung der Teams vor Ort und nehmen Expertise und Anregungen aus dem Versorgungsalltag direkt auf.” Von den Erfahrungen aus dem Programm können die Versicherten aller Krankenkassen und Krankenhäuser profitieren, die sich bestehenden PROvalue Nutri Verträgen anschließen oder neue Vereinbarungen aufsetzen.

Info: Qualitätsverträge als Qualitäts- und Finanzierungsinstrument

Sog. Qualitätsverträge nach § 110a SGB V werden zwischen Krankenhäusern und Krankenkassen geschlossen. Die genannten beiden Verträge wurden mit der AOK Baden-Württemberg abgeschlossen. Weiteren Krankenkassen steht der Beitritt offen. Im Einklang mit Vorgaben des IQTIG ist pro Leistungserbringer eine 6-monatigen Nullwertphase zur Erfassung der bisherigen Versorgung vorgesehen, bevor die Interventionsphase mit der automatisierten Risikoberechnung und Versorgungssteuerung einsetzt.

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