Veröffentlicht

July 25, 2021

WHOQOL-BREF

Die World Health Organization Quality of Life (WHOQOL)-Group wurde 1991 zur Entwicklung eines krankheitsunabhängigen und universell einsetzbaren Gesundheitsfragebogens gegründet. Die Initiative der WHO, eine Bewertung der Lebensqualität zu entwickeln, entstand aus unterschiedlichen Gründen.

In der jüngeren Vergangenheit hatte sich der Schwerpunkt bei der Messung der Gesundheit über die traditionellen Gesundheitsindikatoren wie Mortalität und Morbidität hinaus auf die Messung der Auswirkungen von Krankheiten und Beeinträchtigungen auf die täglichen Aktivitäten und das Verhalten, die Messung der wahrgenommenen Gesundheit und die Messung der Behinderung bzw. des funktionellen Status ausgedehnt. Das Ergebnis ihrer Arbeit in Zusammenarbeit mit 15 internationalen Zentren war der WHOQOL-100-Fragebogen und später, im Jahr 1998, seine Kurzform, der WHOQOL-BREF.1,2

WHOQOL-BREF Inhalt

Die WHOQOL-Group definiert Lebensqualität als die Wahrnehmung des Menschen über seine Stellung im Leben, im Kontext der Kultur und des Wertesystems, in welchem er lebt und in Relation steht zu seinen Zielen, Erwartungen, Standards und Sorgen. Die Lebensqualität unterliegt für sie damit subjektiver Einschätzung, eingebettet in einem kulturellen, sozialen und umweltbedingten Kontext. Auf dieser Grundlage wurde der WHOQOL-100 und WHOQOL-BREF entwickelt.2

Der WHOQOL-BREF ist ein Patient Reported Outcome (PRO)-Instrument, das den globalen Gesundheitszustand von Patienten krankheitsunabhängig über 4 Gesundheitsdomänen mit 24 verschiedenen Domänenaspekten beurteilen kann. Insgesamt beinhaltet er die 26 wichtigsten der 100 Fragen seines Vorgängers und stellt damit eine beträchtliche und notwendige Kürzung dar.2 Die Recall-Periode des Patienten umfasst die vergangenen 2 Wochen.

Der WHOQOL-BREF ist eines der bekanntesten Instrumente, das für länderübergreifende Vergleiche der Lebensqualität entwickelt wurde und in mehr als 40 Sprachen verfügbar ist.3 – 6

Die WHOQOL-BREF Domänen

WHOQOL-BREF Auswertung

Scoring

Zunächst ordnet man den Antworten des Patienten ihre zugehörigen vordefinierten Punktewerte zu. Diese reichen für alle Fragen von 1 bis 5 Punkte. Für fast alle Fragen entspricht der am schlechtesten mögliche Gesundheitszustand 1 Punkt, während der bestmögliche 5 Punkte entspricht. Ausnahmen hierbei sind Frage 3, 4 und 26, bei denen man die Punktwerte invertieren muss:

6-x (x=jeweilige Punktzahl Q3, Q4 or Q26)

Anschließend berechnet man für jede der Gesundheitsdomänen einen Domänenscore, indem man die durchschnittlichen Antwortpunkte der jeweiligen Domänen berechnet (Summe der Antwortpunkte durch Anzahl der Fragen dividiert) und das Ergebnis mit der Zahl 4 multipliziert.

  • Physische Gesundheit = 4x((6 – Q3) + (6 – Q4) + Q10 + Q15 + Q16 + Q17 + Q18)/7
  • Psychologische Gesundheit = 4x(Q5 + Q6 + Q7 + Q11 + Q19 + (6 – Q26))/6
  • Soziale Beziehungen = 4x(Q20 + Q21 + Q22)/3
  • Umwelt = 4x(Q8 + Q9 + Q12 + Q13 + Q14 + Q23 + Q24 + Q25)/8

Schlussendlich werden die 4 Domänenscores jeweils in eine Skala von 0 bis 100 umgewandelt. Dazu subtrahiert man von den Domänenscores jeweils die Zahl 4 und multipliziert die Differenz mit 100/16 bzw. der Zahl 6,25. 0 Punkte bedeuten dabei den schlechtmöglichsten Gesundheitszustand, während 100 Punkte den bestmöglichen Gesundheitszustand bezüglich der jeweiligen Domäne darstellen. Man beurteilt also den physischen, psychologischen, sozialen und umweltbedingten Gesundheitszustand des Patienten jeweils separat.

Umgewandelter Score = (-Domänenscore-4) x (100/16)

Sollten insgesamt mehr als 20 % der Fragen fehlen, ist eine Auswertung des WHOQOL-BREF nicht durchzuführen. Pro Domäne dürfen maximal 2 Fragen fehlen. In solch einem Fall wird der Durchschnitt der Punkte der restlichen Fragen der Domäne ermittelt und die fehlenden Fragen werden jeweils mit dem Durchschnittspunktewert ersetzt, sodass eine Auswertung, wie oben, durchgeführt werden kann. Eine Ausnahme ist die Domäne „Soziale Beziehungen“, in der maximal 1 Frage fehlen darf.6

Eine Syntax zur Auswertung wird für SPSS im Benutzerhandbuch des WHOQOL-100 und WHOQOL-BREF zur Verfügung gestellt.

WHOQOL-BREF Stärken

Der WHOQOL-BREF ist ein validierter und etablierter Fragebogen, der mit einer Länge von 26 Fragen eine akzeptable Länge hat, um in klinischen Studien und in der Patientenversorgung Anwendung zu finden. Trotz seiner deutlichen Reduktion an Fragen, im Vergleich zum WHOQOL-100, konnte er dennoch eine starke Aussagekraft und gute bis exzellente psychometrische Eigenschaften aufweisen.2,7-18 Seine große Relevanz äußert sich in seiner Nutzung in zahlreichen Studien zur Beurteilung des Gesundheitszustandes der jeweiligen Patienten.20

Ferner ist es eine Besonderheit, dass der WHOQOL-BREF eine Umweltdomäne beinhaltet, die die Lebensumstände der Patienten noch näher betrachtet, anders als andere etablierte PRO-Instrumente, wie bspw. der SF-36EQ-5D-5L oder WHODAS 2.0.

WHOQOL-BREF Schwächen

In einer groß angelegten Validierungsstudie mit über 11.000 Patienten konnte in einigen Zentren gezeigt werden, dass es einzelne Items bzw. Fragen gab, die nicht eindeutig genug zu ihrer Domäne passten. So hatten beispielsweise das Item zur physischen Sicherheit aus der Domäne der Umwelt und das Item zur Energie aus der Domäne der physischen Gesundheit eine stärkere Korrelation zur Domäne der psychologischen Gesundheit als zu ihrer Ursprungsdomäne.8

WHOQOL-BREF Lizenz

Die Nutzung und Auswertung des WHOQOL-BREF erfordert eine Lizenzierung, die allerdings nicht mit Kosten verbunden ist. Die WHO verlangt die Unterzeichnung einer Nutzervereinbarung, in der weitere Details über seine beabsichtigte Nutzung angegeben werden müssen.

Das unterzeichnete Dokument kann per E-Mail an WHOQOL@who.int geschickt werden und man erhält den gewünschten Fragebogen zugeschickt.1 Unsere Team berät Sie gerne.

Fazit

Alles in allem ist der WHOQOL-BREF ein valides, etabliertes und aussagekräftiges PRO-Instrument zur Beurteilung des globalen Gesundheitszustandes von Patienten unabhängig ihrer Erkrankung. Seine Implementierung ist durch seinen Umfang von 26 Fragen zwar besser möglich als in seiner Ursprungsform, jedoch nicht so kurz, wie viele andere Kurzformen von Fragebögen, wie bspw. der SF-12.

Grundsätzlich ist seine Länge allerdings für Forschung und Patientenversorgung akzeptabel. Zu guter Letzt beeinträchtigen die Konstruktionsschwächen in einzelnen Items seine Aussagekraft insgesamt nicht.