Flächendeckendes digitales Screening und ernährungsmedizinische Kompetenz vor Ort
Zwischen 20 und 60 Prozent aller Patient:innen in deutschen Krankenhäusern sind bei Aufnahme laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM) mangelernährt oder gefährdet. Neben einer erhöhten Morbidität und Mortalität bei akuten Erkrankungen und chirurgischen Eingriffen kann eine vorliegende und nicht erkannte Mangelernährung zu einer verzögerten Genesung, längeren Krankenhausverweildauern und erhöhten klinischen Behandlungskosten führen. Um die Erkennungsrate zu erhöhen, das Fachpersonal gezielt einzusetzen und den Betroffenen bestmöglich zu helfen haben das Diakonie-Klinikum Stuttgart und das Klinikum Friedrichshafen den Qualitätsvertrag PROvalue Nutri zur stationären Erkennung und Behandlung von Mangelernährung an ihren Häusern etabliert. Dabei wird auf der bereits vorhandenen digitalen Plattform heartbeat OS für Screening und Versorgungssteuerung aufgebaut und ein dafür vorgesehener Vergütungsmechanismus genutzt.
Die Versicherten beantworten im Screening, das den Empfehlungen der DGEM folgt, zunächst einen Fragebogen bequem über das eigene Mobiltelefon oder ein Tablet vor Ort. Aus den Fragen zu Körpermaßen, Alter, Ernährungsgewohnheiten und dem allgemeinen Gesundheitszustand wird automatisch ein Risikowert berechnet. Überschreitet dieser Wert ein festgelegtes Level, wird das klinische Fachpersonal in Echtzeit über den Fall und die Werte der betroffenen Person informiert, um zeitnah ein vertieftes Assessment vorzunehmen und möglicherweise Maßnahmen gegen eine vorliegende Mangelernährung einzuleiten. Passiert dies rechtzeitig vor einem Eingriff, profitieren die Betroffenen deutlich stärker davon gegenüber einer Mangelernährung, die erst nach dem Eingriff während der Genesungsphase erkannt wird.
Hier setzt das PROvalue Nutri Programm auf die Kompetenz der Ernährungsteams, die einen direkten Einfluss auf die gesundheitliche Lebensqualität der Betroffenen und ihre Komplikations- und Genesungsparameter sowie die Verweildauer im Krankenhaus nehmen kann. Bei unauffälligen digitalen Screeningwerten ist eine personalintensive Erfragung des Ernährungszustands nicht mehr notwendig, während die Wahrscheinlichkeit einer unerkannten Mangelernährung für Patientinnen und Patienten abnimmt.