Ausgangslage
Die Helios ENDO-Klinik Hamburg ist eine reine orthopädische Fachklinik mit hohem Fallaufkommen in der Endoprothetik. Bis 2022 endete die systematische Qualitätsbeobachtung der Klinik jedoch am Entlassungstag. Philip Wettengel, Geschäftsführer der Klinik, beschrieb die Ausgangslage im November 2022 gegenüber der Ärzte Zeitung so:
„Als rein orthopädische Fachklinik sind wir darauf angewiesen, dass das, was wir tun, sehr gut ist. Deshalb haben wir eine starke Qualitätsorientierung mit Fokus auf die Ergebnis-Qualität. Der Ansatz stößt aber an Grenzen. Wir sehen die Patienten nur während des Klinikaufenthalts. Treten nach der Entlassung Komplikationen auf, bekommt die Klinik das meist gar nicht mit.“
Diese Lücke zwischen Entlassung und dem tatsächlichen, im Alltag erlebten Behandlungserfolg war der Anlass für die Beteiligung am Qualitätsvertrag PROvalue Endo, den die Techniker Krankenkasse (TK) im November 2022 gemeinsam mit Heartbeat Medical als Initiator und technischem Partner sowie drei orthopädischen Fachkliniken schloss: der Helios ENDO-Klinik Hamburg, der Orthopädischen Klinik Volmarstein und dem St. Josef-Stift Sendenhorst.
Rechtlicher und wissenschaftlicher Rahmen
Qualitätsverträge nach § 110a SGB V wurden 2015 im Rahmen des Krankenhausstrukturgesetzes gesetzlich ermöglicht; 2018 legte der G-BA erste Leistungsbereiche fest, zu denen von Beginn an auch die endoprothetische Gelenkversorgung zählte. Ziel des Instruments ist es, in einer bis 2028 angelegten Erprobungsphase zu untersuchen, welche ergebnisorientierten Ansätze sich für eine Überführung in die Regelversorgung eignen.
PROvalue Endo baut inhaltlich auf der vom Innovationsfonds geförderten, randomisiert-kontrollierten Studie PROMoting Quality auf. Sie untersuchte unter Alltagsbedingungen, ob ein digitales, PROM-basiertes Monitoring entlang des Behandlungspfades zu besseren patientenrelevanten Ergebnissen und einer effizienteren Versorgung in der Hüft- und Knieendoprothetik beiträgt, und zeigte signifikante Verbesserungen patientenrelevanter Outcomes sowie Einsparpotenziale von mehreren hundert Euro pro Fall. Der Gemeinsame Bundesausschuss empfahl in seinem Beschluss vom 18.10.2024, diese Evidenz systematisch für die Weiterentwicklung von Qualitätsinstrumenten und Vergütungsmodellen zu nutzen. PROvalue Endo überführt sie im Rahmen von Qualitätsverträgen nach § 110a SGB V in die Versorgungspraxis.
Umsetzung an der Helios ENDO-Klinik
Im Zentrum steht eine strukturierte Befragung, in der Patientinnen und Patienten vor und nach ihrem Klinikaufenthalt Auskunft zu ihrem Wohlbefinden, ihrer Lebensqualität und ihrer eigenen Einschätzung des Gesundheitszustands geben.
Einschluss: Die Anmeldung erfolgt vor der Operation – entweder von zuhause über einen QR-Code bzw. Link im Anschreiben, oder im persönlichen Gespräch mit auf PROvalue spezialisierte Mitarbeitende der Helios ENDO Klinik am Aufnahmetag. Voraussetzung ist lediglich eine gültige E-Mail-Adresse zur Nachbefragung, notfalls auch die eines Angehörigen. Die Teilnahme ist freiwillig und für die Patient:innen kostenfrei; die Kosten trägt die Krankenkasse.
Erhebung: Fünf Befragungszeitpunkte sind vorgesehen: vor der OP bzw. am Aufnahmetag sowie nach 1, 3, 6 und 12 Monaten. Die Folgebefragungen werden per E-Mail zugestellt und können auf Smartphone, Tablet oder PC ausgefüllt werden. Technische Grundlage ist die Plattform heartbeat OS, über die auch die Einwilligungen zur Datenverarbeitung DSGVO-konform eingeholt werden.
Steuerung: Überschreiten die erhobenen PROM-Werte vordefinierte Schwellenwerte, löst das System eine Benachrichtigung aus, die das behandelnde Team auf eine mögliche Abweichung vom erwarteten Genesungsverlauf hinweist. Je nach Gelenk und Befragungszeitpunkt werden an der Helios ENDO-Klinik zwischen 6 und 24 % der Patientinnen und Patienten im Verlauf auf diese Weise schwellenwertbasiert aktiv durch klinisches Fachpersonal telefonisch kontaktiert. Die Reaktion reicht von einer niedrigschwelligen Empfehlung zur Selbststeuerung bis zu weiterführenden medizinischen Maßnahmen.
Ergebnisse
Mit über 6.000 digital begleiteten Eingriffen ist die Helios ENDO-Klinik der Standort mit den meisten eingeschlossenen Fällen im PROvalue-Endo-Programm. Die bisherigen Auswertungen zeigen:
- 92,65 % der begleiteten Patientinnen und Patienten würden sich unter denselben Umständen erneut für die Operation in gleicher Form entscheiden.
- 94,57 % berichten über eine spürbare Verbesserung ihrer gesundheitsbezogenen Lebensqualität.
- 98,39 % Dokumentationsquote – Grundlage für die Evaluation des Qualitätsvertrags durch das IQTIG.
- Gemessen an der Minimal Clinically Important Difference (MCID) – dem kleinsten Unterschied in einem PROM, der aus Patientensicht als relevante, im Alltag spürbare Verbesserung wahrgenommen wird – erreichten zwölf Monate nach dem Eingriff 83,26 % der Versicherten mit Knieeingriff und 92,53 % der Versicherten mit Hüfteingriff diese klinisch bedeutsame Verbesserung.