PROvalue Endo an der Helios ENDO-Klinik Hamburg: über 6.000 begleitete Eingriffe und Erfolge in der Nachversorgung

Überblick zum Erfolgs-Case im Bereich Endoprothetik

Klinik: Helios ENDO-Klinik Hamburg
Programm: PROvalue™ Endo (Qualitätsvertrag Endoprothetik)
Start: 2022, als eine der drei Erstunterzeichner-Kliniken
Indikationen: Hüfte, Knie, Schulter (Primär & Revision)
Kernergebnisse: 6000+ Eingriffe · 92,65 % Wiederentscheidungsrate · 94,57 % spürbare Lebensqualitätsverbesserung · 98,39 % Dokumentationsquote · MCID-Erreichung 83,26 % (Knie) / 92,53 % (Hüfte)

Ausgangslage

Die Helios ENDO-Klinik Hamburg ist eine reine orthopädische Fachklinik mit hohem Fallaufkommen in der Endoprothetik. Bis 2022 endete die systematische Qualitätsbeobachtung der Klinik jedoch am Entlassungstag. Philip Wettengel, Geschäftsführer der Klinik, beschrieb die Ausgangslage im November 2022 gegenüber der Ärzte Zeitung so:

„Als rein orthopädische Fachklinik sind wir darauf angewiesen, dass das, was wir tun, sehr gut ist. Deshalb haben wir eine starke Qualitätsorientierung mit Fokus auf die Ergebnis-Qualität. Der Ansatz stößt aber an Grenzen. Wir sehen die Patienten nur während des Klinikaufenthalts. Treten nach der Entlassung Komplikationen auf, bekommt die Klinik das meist gar nicht mit.“

Diese Lücke zwischen Entlassung und dem tatsächlichen, im Alltag erlebten Behandlungserfolg war der Anlass für die Beteiligung am Qualitätsvertrag PROvalue Endo, den die Techniker Krankenkasse (TK) im November 2022 gemeinsam mit Heartbeat Medical als Initiator und technischem Partner sowie drei orthopädischen Fachkliniken schloss: der Helios ENDO-Klinik Hamburg, der Orthopädischen Klinik Volmarstein und dem St. Josef-Stift Sendenhorst. 

Rechtlicher und wissenschaftlicher Rahmen

Qualitätsverträge nach § 110a SGB V wurden 2015 im Rahmen des Krankenhausstrukturgesetzes gesetzlich ermöglicht; 2018 legte der G-BA erste Leistungsbereiche fest, zu denen von Beginn an auch die endoprothetische Gelenkversorgung zählte. Ziel des Instruments ist es, in einer bis 2028 angelegten Erprobungsphase zu untersuchen, welche ergebnisorientierten Ansätze sich für eine Überführung in die Regelversorgung eignen.

PROvalue Endo baut inhaltlich auf der vom Innovationsfonds geförderten, randomisiert-kontrollierten Studie PROMoting Quality auf. Sie untersuchte unter Alltagsbedingungen, ob ein digitales, PROM-basiertes Monitoring entlang des Behandlungspfades zu besseren patientenrelevanten Ergebnissen und einer effizienteren Versorgung in der Hüft- und Knieendoprothetik beiträgt, und zeigte signifikante Verbesserungen patientenrelevanter Outcomes sowie Einsparpotenziale von mehreren hundert Euro pro Fall. Der Gemeinsame Bundesausschuss empfahl in seinem Beschluss vom 18.10.2024, diese Evidenz systematisch für die Weiterentwicklung von Qualitätsinstrumenten und Vergütungsmodellen zu nutzen. PROvalue Endo überführt sie im Rahmen von Qualitätsverträgen nach § 110a SGB V in die Versorgungspraxis.

Umsetzung an der Helios ENDO-Klinik

Im Zentrum steht eine strukturierte Befragung, in der Patientinnen und Patienten vor und nach ihrem Klinikaufenthalt Auskunft zu ihrem Wohlbefinden, ihrer Lebensqualität und ihrer eigenen Einschätzung des Gesundheitszustands geben.

Einschluss: Die Anmeldung erfolgt vor der Operation – entweder von zuhause über einen QR-Code bzw. Link im Anschreiben, oder im persönlichen Gespräch mit auf PROvalue spezialisierte Mitarbeitende der Helios ENDO Klinik am Aufnahmetag. Voraussetzung ist lediglich eine gültige E-Mail-Adresse zur Nachbefragung, notfalls auch die eines Angehörigen. Die Teilnahme ist freiwillig und für die Patient:innen kostenfrei; die Kosten trägt die Krankenkasse.

Erhebung: Fünf Befragungszeitpunkte sind vorgesehen: vor der OP bzw. am Aufnahmetag sowie nach 1, 3, 6 und 12 Monaten. Die Folgebefragungen werden per E-Mail zugestellt und können auf Smartphone, Tablet oder PC ausgefüllt werden. Technische Grundlage ist die Plattform heartbeat OS, über die auch die Einwilligungen zur Datenverarbeitung DSGVO-konform eingeholt werden.

Steuerung: Überschreiten die erhobenen PROM-Werte vordefinierte Schwellenwerte, löst das System eine Benachrichtigung aus, die das behandelnde Team auf eine mögliche Abweichung vom erwarteten Genesungsverlauf hinweist. Je nach Gelenk und Befragungszeitpunkt werden an der Helios ENDO-Klinik zwischen 6 und 24 % der Patientinnen und Patienten im Verlauf auf diese Weise schwellenwertbasiert aktiv durch klinisches Fachpersonal telefonisch kontaktiert. Die Reaktion reicht von einer niedrigschwelligen Empfehlung zur Selbststeuerung bis zu weiterführenden medizinischen Maßnahmen.

Ergebnisse

Mit über 6.000 digital begleiteten Eingriffen ist die Helios ENDO-Klinik der Standort mit den meisten eingeschlossenen Fällen im PROvalue-Endo-Programm. Die bisherigen Auswertungen zeigen:

  • 92,65 % der begleiteten Patientinnen und Patienten würden sich unter denselben Umständen erneut für die Operation in gleicher Form entscheiden.
  • 94,57 % berichten über eine spürbare Verbesserung ihrer gesundheitsbezogenen Lebensqualität.
  • 98,39 % Dokumentationsquote – Grundlage für die Evaluation des Qualitätsvertrags durch das IQTIG.
  • Gemessen an der Minimal Clinically Important Difference (MCID) – dem kleinsten Unterschied in einem PROM, der aus Patientensicht als relevante, im Alltag spürbare Verbesserung wahrgenommen wird – erreichten zwölf Monate nach dem Eingriff 83,26 % der Versicherten mit Knieeingriff und 92,53 % der Versicherten mit Hüfteingriff diese klinisch bedeutsame Verbesserung.
„Als hochspezialisierte orthopädische Fachklinik ist unser Anspruch, die Ergebnisqualität nicht nur zu erreichen, sondern auch belastbar nachzuweisen. Mit PROvalue erweitern wir unsere Verantwortung konsequent über den stationären Aufenthalt hinaus und integrieren ein strukturiertes, digitales Langzeitmonitoring in die Regelversorgung. So begleiten wir unsere Patientinnen und Patienten weit über die Entlassung hinaus, erkennen relevante Veränderungen frühzeitig, können gezielt reagieren und machen den tatsächlichen Behandlungserfolg transparent messbar. Über 6.000 begleitete Eingriffe zeigen, dass dieser Ansatz medizinisch und im Sinne einer verantwortungsvollen, wertorientierten Versorgung funktioniert.“

„Dank PROvalue Endo bleiben wir nicht nur über den stationären Aufenthalt hinaus mit unseren Patient:innen im Kontakt. Wir erhalten erstmals strukturiert eine frühzeitige Rückmeldung über den Behandlungserfolg, die unmittelbar in unser Qualitätsmanagement einfließen kann.“
Phillip Wettengel, Geschäftsführer der Helios ENDO Klinik Hamburg

Einordnung im Gesamtprogramm

Vom Start weg wuchs das Programm zügig: Innerhalb weniger Monate nach dem Vertragsschluss waren knapp 600 Patientinnen und Patienten eingeschlossen, und bereits im April 2023 berichtete das Fachmagazin HCM über den Beitritt zahlreicher weiterer Krankenkassen zu PROvalue Endo. Yannik Schreckenberger wertete dies damals als Signal für einen breiteren Wandel: „Das wachsende Netzwerk mit über zwanzig Krankenkassen, die auf PROvalue setzen, zeigt, dass sich die ergebnisorientierte Versorgung und Vergütung in Deutschland nicht mehr in der Pilotierung, sondern im Roll-Out befindet.“

Die Auswertungen an einzelnen Standorten wie der Helios ENDO-Klinik sind Teil eines größeren Benchmarkings im PROvalue-Endo-Programm. Über 60 gesetzliche Krankenkassen beteiligen sich mittlerweile, nahezu 20.000 endoprothetische Eingriffe wurden bislang programmweit einbezogen, die Rücklaufquote der PROM-Erhebungen liegt bei über 85 %. Insgesamt wurden knapp 4.500 Alerts bearbeitet; in 53 % der Fälle identifizierten die PROM-basierten Schwellenwerte mögliche Hinweise auf operationsbezogene gesundheitliche Auffälligkeiten, bei 38 % der Alerts folgte eine gezielte weitere medizinische Unterstützung durch die Klinik. Der häufigste Auslöser für Alerts sind funktionelle Einschränkungen, insbesondere eine reduzierte Mobilität im postoperativen Verlauf.

Weil einzelne Standorte wie die Helios ENDO-Klinik vergleichsweise viele Fälle einbringen, lassen sich Behandlungsergebnisse standortübergreifend vergleichen. Das erlaubt, Abweichungen vom erwarteten Genesungsverlauf systematisch zu erkennen und Operationsmethoden, Implantate und Nachsorgekonzepte auf Basis der Daten weiterzuentwickeln.

Auch die gesundheitsökonomische Evidenz ist Teil dieses Bildes. Die im Rahmen von PROMoting Quality durchgeführte Kosteneffektivitätsanalyse auf Basis von Abrechnungsdaten 24 gesetzlicher Krankenkassen wies geringere Kosten von durchschnittlich 376 € pro Hüft- und 376 € pro Knieendoprothese nach, getrieben durch weniger Hausarztbesuche, weniger Verordnungen und einen geringeren Bedarf an Heilmitteln wie Physiotherapie. Hochgerechnet auf die rund 20.000 bislang in PROvalue Endo eingeschlossenen Patient:innen ergibt sich ein geschätztes Einsparpotenzial von über 7,5 Millionen Euro. Übertragen auf die rund 400.000 Hüft- und Knieendoprothesen, die jährlich in Deutschland durchgeführt werden, entspräche ein flächendeckendes PROvalue-Monitoring einem Einsparpotenzial von rund 150 Millionen Euro pro Jahr

Fazit und Ausblick

Gemessen am jährlichen deutschen Gesamtvolumen an Hüft- und Knieendoprothesen deckt PROvalue Endo derzeit etwa 2–3 % ab. Der überwiegende Teil der Patient:innen in Deutschland hat bislang keinen Zugang zu einem vergleichbaren Versorgungsmodell.

Für die Helios ENDO-Klinik Hamburg zeigt der bisherige Verlauf, dass sich strukturiertes PROM-Monitoring im klinischen Alltag einer Fachklinik mit hohem Fallaufkommen umsetzen lässt und valide Daten zum Behandlungserfolg über den Entlassungstag hinaus liefert. Mit über 6.000 begleiteten Eingriffen ist die Klinik dabei der Standort mit der größten Datenbasis im Programm.

„Der operative Blueprint für die Endoprothetik liegt nun vor. Bereits heute profitieren Versicherte, Kliniken und Krankenkassen täglich. Wir planen, über 50.000 Menschen im Rahmen von PROvalue zu begleiten und so eine europaweit einzigartige Evidenz aufzubauen. Doch solange klare Entscheidungen für eine ergebnisorientierte Versorgung ausbleiben, verspielt unser Gesundheitssystem täglich Lebensqualität und Ressourcen.“
Yannik Schreckenberger, Gründer und CEO Heartbeat Medical