Ein strategisches Whitepaper zu PROMs, Qualitätsverträgen nach § 110a SGB V und dem Weg in die Regelversorgung — für Entscheider:innen, die Value-Based Health Care in Deutschland operationalisieren wollen.



Built on the evidence from the landmark PROMoting Quality randomized controlled trial, PROvalue™ Endo is the first large-scale, live translation of PROM-based monitoring and outcome-linked reimbursement into permanent routine care. Not a pilot. Not a study. A real program — connecting payers, hospitals, and patients at scale across Germany.
PROvalue™ Endo macht sichtbar, wie Qualitätsverträge nach § 110a SGB V mit patientenrelevanten Ergebnissen verknüpft werden — und liefert konkrete Erkenntnisse für eine nachhaltige, ergebnisorientierte Vergütung der endoprothetischen Versorgung in Deutschland.
Das Programm erfasst Hüft-, Knie- und Schulterendoprothetik in einem digitalen PROM-Erhebungssystem, das Alerts bei auffälligen Verläufen auslöst und gezielte klinische Intervention ermöglicht.
Volumetrische Vergütung schafft keine Anreize für Qualität. PROvalue™ Endo zeigt mit realen Versorgungsdaten, dass patientenrelevante Ergebnisqualität mess-, steuer- und vergütungsrelevant ist.
Dieses Whitepaper liefert den belastbaren Blueprint, wie ein ergebnisorientiertes Vergütungssystem nach § 110a SGB V in die Regelversorgung überführt werden kann — mit klaren Handlungsempfehlungen für Kliniken, Kostenträger und Gesundheitsnetzwerke.
[Mit PROvalue Endo] werden zentrale Prinzipien einer nutzenorientierten Gesundheitsversorgung konkret operationalisiert, so, wie sie seit Jahren wissenschaftlich diskutiert und zuletzt auch von der Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung empfohlen wurden.
Dank PROvalue Endo bleiben wir nicht nur über den stationären Aufenthalt hinaus mit unseren Patient:innen im Kontakt. Wir erhalten erstmals strukturiert eine frühzeitige Rückmeldung über den Behandlungserfolg die unmittelbar in unser Qualitätsmanagement einfließen kann.
PROvalue Endo zeigt, dass Monitoring und Vergütung auf Basis patientenberichteter Ergebnisse in der Breite umsetzbar sind. Unser Ziel ist es, dieses Modell zum Standard in der endoprothetischen Versorgung in Deutschland und darüber hinaus zu machen.
PROvalue™ Endo verbindet systematische PROM-Erhebung mit Versorgungssteuerung und Vergütungslogik. Die Zahlen stammen aus der laufenden Versorgung.
Acht Kapitel liefern Evidenz, Praxisdaten und die konkrete Handlungsempfehlung für den Übergang von der Erprobung in die Regelversorgung. Alle Kapitel sind vollständig im PDF enthalten.
Das deutsche Gesundheitssystem steht vor der Herausforderung, steigende Kosten, demografische Veränderungen und zunehmende Komplexität medizinischer Versorgung mit dem Anspruch auf eine hochwertige und patientenzentrierte Behandlung in Einklang zu bringen. Qualität wird bislang überwiegend über Struktur- und Prozessvorgaben abgebildet, während patientenrelevante Ergebnisse — wie etwa funktionelle Verbesserungen oder Lebensqualität — nur begrenzt systematisch berücksichtigt werden.
Value-Based Health Care (VBHC) setzt genau hier an: Im Zentrum steht der Nutzen für Patientinnen und Patienten, definiert als erzielte gesundheitliche Ergebnisse im Verhältnis zu den eingesetzten Ressourcen. Die logische Konsequenz dieses Ansatzes ist eine Vergütung, die sich an nachgewiesener Ergebnisqualität orientiert. Patient-Reported Outcome Measures (PROMs) sind dabei ein zentrales Instrument, um diese Ergebnisse aus Patient:innensicht messbar zu machen und sowohl Versorgungssteuerung als auch Vergütung darauf auszurichten.
Ziel von PROvalue ist es, Value-Based Reimbursement auf Basis von PROMs in die klinische Routine zu überführen. Am Beispiel der Endoprothetik zeigt PROvalue™ Endo, wie patientenrelevante Ergebnisqualität systematisch erhoben, zur Steuerung von Behandlungsverläufen genutzt und erstmals innerhalb bestehender regulatorischer Rahmenbedingungen in eine leistungsbezogene Vergütung übersetzt werden kann.
PROMoting Quality ist der wissenschaftliche Vorläufer zum aktuellen PROvalue™ Endo Programm. Es handelte sich um eine vom Innovationsfonds geförderte, randomisiert kontrollierte Studie (RCT) zur intersektoralen Nutzung von PROMs in der Hüft- und Knieendoprothetik. Ziel war es, zu untersuchen, ob ein digitales PROM-basiertes Monitoring entlang des Behandlungspfades zu besseren patientenrelevanten Ergebnissen und einer effizienteren Versorgung beitragen kann.
Heartbeat Medical stellte als Initiator und technischer Partner die digitale Plattform bereit, über die PROMs vor der Operation, nach Entlassung sowie in mehreren Nachsorgeintervallen erhoben wurden. Algorithmusbasierte Schwellenwerte ermöglichten es, Abweichungen vom erwarteten Genesungsverlauf frühzeitig zu identifizieren und strukturierte Folgeaktionen auszulösen.
Die Ergebnisse zeigten signifikante Verbesserungen patientenrelevanter Outcomes sowie Einsparpotenziale von mehreren hundert Euro pro Fall. PROMoting Quality liefert damit belastbare Evidenz dafür, dass PROMs über reine Dokumentation hinaus als aktives Steuerungsinstrument genutzt werden können. Der G-BA-Beschluss vom 18.10.2024 empfiehlt, die Evidenz aus PROMoting Quality systematisch für die Weiterentwicklung von Qualitätsinstrumenten und Vergütungsmodellen zu nutzen.
PROvalue™ Endo greift die Erkenntnisse aus PROMoting Quality auf und überführt diese evidenzbasiert aus dem Studienkontext in eine strukturierte Erprobung im Rahmen von Qualitätsverträgen nach § 110a SGB V. Seit Ende 2022 wird das Konzept standortbezogen umgesetzt, mit dem Ziel, patientenrelevante Ergebnisse systematisch in die Versorgungssteuerung und die leistungsbezogene Vergütung der Endoprothetik einzubinden.
Qualitätsverträge nach § 110a SGB V sind ein Instrument der gemeinsamen Selbstverwaltung zur Weiterentwicklung der Versorgungsqualität über gesetzliche Mindeststandards hinaus. Krankenkassen und Krankenhäuser können hierfür zeitlich befristete, standortbezogene Verträge schließen, in denen zusätzliche Qualitätsanforderungen, Verfahren und Qualitätsziele vereinbart werden. Die Evaluation erfolgt durch das IQTIG. Die Erprobungsphase ist derzeit bis Ende 2028 angelegt.
Heartbeat Medical übernimmt dabei die Rolle des architektonischen und operativen Enablers: Als neutrale Infrastruktur verbindet PROvalue™ Endo Krankenkassen, Kliniken und Evaluation, stellt digitale Prozesse für Erhebung, Auswertung und Abrechnung bereit und ermöglicht eine standardisierte, praxistaugliche Umsetzung unter realen Versorgungsbedingungen.
Patient:innen werden vor oder bei Aufnahme zur Operation digital in PROvalue™ Endo aufgenommen. Der Einschluss erfolgt entweder über die beteiligten Kliniken oder über einen Self Sign-Up (SSU), bei dem sich Patient:innen eigenständig einschreiben können. Dieser Ansatz ermöglicht es, Patient:innen bereits vor dem eigentlichen Klinikaufenthalt zu erreichen und den Einschluss weitgehend unabhängig von lokalen Krankenhausinformationssystemen zu gestalten.
Zu den früh engagierten Kliniken gehören unter anderem die Helios ENDO-Klinik Hamburg, das St. Josef-Stift Sendenhorst, die Orthopädische Klinik Volmarstein, das Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig sowie die Orthopädische Klinik Paulinenhilfe am Diakonie-Klinikum Stuttgart.
Die digitale Begleitung erfolgt über die Plattform Heartbeat OS. Es erfolgt eine strukturierte Erhebung von PROMs vor der Operation, nach Entlassung und in definierten Nachsorgeintervallen (u. a. nach 1, 3, 6 und 12 Monaten). Die Kontaktaufnahme erfolgt automatisiert, insbesondere über E-Mail-basierte Erinnerungen — die Rücklaufquote liegt bei über 85 %, bei minimalem administrativem Aufwand für die Kliniken.
Seit dem Start von PROvalue™ Endo wurden knapp 20.000 Patient:innen mit Hüft-, Knie- und Schulterendoprothesen sowie Revisionseingriffen erreicht. Insgesamt wurden knapp 4.500 Alerts erfolgreich bearbeitet. In 53 % der Fälle identifizierten die PROM-basierten Schwellenwerte mögliche Hinweise auf operationsbezogene gesundheitliche Auffälligkeiten. Bei 38 % der Alerts resultierte dies in einer gezielten weiteren medizinischen Unterstützung durch die Klinik.
Der häufigste Auslöser für Alerts sind funktionelle Einschränkungen, insbesondere eine reduzierte Mobilität im postoperativen Verlauf — ein zentrales patientenrelevantes Outcome, das mit Routinedaten typischerweise nicht zeitnah erfasst werden kann.
In einem Großteil der Fälle erweist sich nach klinischer Bewertung keine weiterführende Maßnahme als erforderlich. Dies ist Ausdruck einer bewusst sicherheitsorientierten Schwellenwertdefinition mit hoher Sensitivität. In der zweithäufigsten Kategorie werden konkrete, niedrigschwellige Empfehlungen ausgesprochen, die Patient:innen selbständig zu Hause umsetzen können. Nur in einem kleinen Anteil der Fälle ist eine erneute Vorstellung in der Klinik erforderlich — das unterstreicht den gezielten und ressourcenschonenden Charakter des Alert-Systems.
Die Bewertung der Behandlungsergebnisse erfolgt unter anderem anhand der Minimal Clinically Important Difference (MCID) — der kleinste Unterschied in einem PROM, der aus Patientensicht als relevante Verbesserung wahrgenommen wird. Die Auswertungen zeigen hohe Anteile von Patient:innen, die nach zwölf Monaten eine klinisch relevante Verbesserung erreichen: 93 % (HOOS PS, Hüfte), 84 % (EQ5D5L, Hüfte), 79 % (KOOS PS, Knie) und 68 % (EQ5D5L, Knie).
PROvalue™ Endo verbindet damit Patientensicherheit, Versorgungsqualität und Effizienz. Patient:innen profitieren von frühzeitiger Unterstützung und höherer Behandlungssicherheit. Kliniken erhalten ein praxistaugliches Instrument zur Ergebnissteuerung. Krankenkassen profitieren von einer gezielten, ergebnisorientierten Mittelverwendung.
Die klinische Wirksamkeit des PROM-basierten Monitorings wird durch belastbare gesundheitsökonomische Evidenz ergänzt. Die im Rahmen von PROMoting Quality durchgeführte Kosteneffektivitätsanalyse auf Basis von Abrechnungsdaten 24 gesetzlicher Krankenkassen zeigt eine signifikante Reduktion der ambulanten Versorgungskosten innerhalb von zwölf Monaten nach dem Eingriff — bei gleichzeitig verbesserten patientenrelevanten Outcomes.
Konkret wurden geringere Kosten von durchschnittlich 376 € pro Hüft- und 376 € pro Knieendoprothese beobachtet, getrieben durch weniger Hausarztbesuche, weniger Verordnungen und einen geringeren Bedarf an Heilmitteln. Selbst unter Einbeziehung der Interventionskosten blieb die Intervention für Hüftendoprothesen dominant — also wirksamer und kostengünstiger als die Regelversorgung. Hochgerechnet auf die knapp 20.000 Patient:innen ergibt sich ein geschätztes Einsparpotenzial von über 7,5 Millionen Euro.
In einem zunehmend belasteten ambulanten Sektor mit steigenden Fallzahlen und wachsendem Fachkräftemangel stellt diese systemische Entlastung einen relevanten gesundheitsökonomischen Mehrwert dar. Würden ambulante Nachsorgekosten stärker leistungs- oder ergebnisbezogen abgebildet, könnten die nachgewiesenen Effizienzgewinne auch budgetär sichtbar gemacht und gezielt incentiviert werden.
PROvalue™ Endo zeigt, dass eine PROM-basierte, ergebnisorientierte Steuerung der endoprothetischen Versorgung unter realen Versorgungsbedingungen praktikabel umsetzbar ist. Gleichzeitig wird deutlich, dass Qualitätsverträge allein nicht ausreichen, um ergebnisorientierte Versorgung flächendeckend zu verankern. PROvalue™ Endo erreicht derzeit bereits etwa 2–3 % des jährlichen deutschen Volumens an Hüft- und Knieendoprothesen — der überwiegende Teil der Patient:innen hat bislang keinen Zugang zu ergebnisorientierten Versorgungsmodellen.
Der nächste Schritt muss darin bestehen, wirksame Elemente über selektive Verträge hinaus strukturell zu verankern: durch Integration zentraler Komponenten in OPS-Strukturen, eine leitlinienbasierte Verankerung ergebnisorientierter Nachsorgekonzepte oder weiterentwickelte Vergütungsmodelle, die patientenrelevante Ergebnisqualität systematisch berücksichtigen.
PROvalue™ Endo steht dabei nicht isoliert. Mit PROvalue Geburt und PROvalue Nutri werden vergleichbare PROM-basierte Steuerungs- und Vergütungsansätze bereits in weiteren Leistungsbereichen erprobt — ein Beleg dafür, dass es sich um ein grundsätzlich skalierbares Framework für eine wertebasierte Weiterentwicklung der Versorgung handelt. Um patientenrelevante Ergebnisqualität flächendeckend wirksam werden zu lassen, braucht es weitergehende ordnungspolitische Entscheidungen, die Value-Based Health Care und Value-Based Reimbursement dauerhaft im deutschen Gesundheitssystem verankern.
Bereit, die nächste Stufe Ihrer Qualitäts- und Vergütungsstrategie zu definieren? Das PROvalue™-Team von Heartbeat Medical berät Kliniken, Krankenkassen und Gesundheitseinrichtungen auf dem Weg zur ergebnisorientierten Regelversorgung.