KOOS-PS (Physical Function Short Form)

Der KOOS-PS ist eine Kurzform des KOOS, der über eine Initiative des Osteoarthritis Research Society International und des OMERACT (Outcome Measures in Clinical Trials) entwickelt und 2008 publiziert wurde.1

KOOS-PS Inhalt

Ursprünglich wollte diese Initiative Kriterien für das Therapieversagen von Disease Modifying Antirheumatic Drugs (DMARD) für Osteoarthritis ermitteln. Im Verlauf stellte man dabei den Bedarf nach einem neuen, kurzen Patient Reported Outcome (PRO)-Instrument fest. Aus dem KOOS-Score wurde so ein kurzer Fragebogen mit sieben Items generiert.

Der KOOS-PS ist daher für Patienten mit Osteoarthritis des Knies vorgesehen und in der Lage, die physische Funktion von Patienten zu messen. Er beinhaltet die Subskalen „Tätigkeiten des Alltags“ und „Funktionsfähigkeit im Sport und in der Freizeit“ des KOOS-Scores.1

KOOS-PS Auswertung

Zunächst teilt man den Antworten des Patienten ihre vordefinierten Punktwerte zu. Keine = 0, wenig = 1, einige = 2, große = 3, sehr große = 4 Punkte. Für die Auswertung müssen alle Fragen beantwortet sein. Anschließend werden die Antwortpunkte der 7 Fragen summiert und anhand einer Konvertierungstabelle in eine Punkteskala mit einem Wertebereich von 0 bis 100 umgewandelt.

Es ist zu beachten, dass es zwei verschiedene Konvertierungstabellen des KOOS-PS gibt. Bei rheumatologischen Fragestellungen (Arthrose) ist diejenige Konvertierung zu wählen, in der 0 Punkte keinerlei Schwierigkeiten bei der Ausführung der Tätigkeiten beschreiben, während 100 Punkte größtmögliche Schwierigkeiten bedeuten. Bei orthopädischen Fragestellungen, gleichzeitiger Verwendung anderer KOOS-Skalen oder dem SF-36 bzw. EQ-5D sollte hingegen eine Konvertierung zu 0 (größte Schwierigkeiten) bis 100 (keine Schwierigkeiten) erfolgen.2

Für eine aussagekräftige Auswertung des KOOS-PS muss jede Frage beantwortet werden.2

KOOS-PS Stärken

Der KOOS-PS ist ein interkulturell validierter Score, der vor allem durch seinen geringen Umfang prinzipiell leicht in klinischer Forschung, Patientenversorgung und Registern implementierbar ist. Insbesondere ist dies für ältere Patienten und bei Anwendung mehrerer PROMs vorteilhaft.1,3-6 Zudem ist er in mindestens 16 Sprachen erhältlich.6 Seine psychometrischen Eigenschaften (Reliabilität, Validität, interne Konsistenz) sind vergleichbar mit anderen etablierten Scores wie dem WOMAC.5,7-8 Außerdem gibt es bereits Daten zur minimum clinically important difference (MCID).8 Mithilfe dieser kann definiert werden, ab welcher Punktwertveränderung im Score eine klinische Verbesserung beobachtbar ist. Darüber hinaus ist der KOOS-PS als Maß für funktionellen Status Teil des ICHOM Standard Sets für Hüft- und Knie-Osteoarthritis.9

KOOS-PS Schwächen

Die Test-Retest-Reliabilität ist eine statistische Größe, die beschreibt, wie zuverlässig die erfassten Daten bei wiederholter Durchführung des Fragebogens durch dieselbe Testperson bzw. -gruppe zu unterschiedlichen Zeitpunkten sind. Dafür wird die Korrelation zwischen den erfassten Daten errechnet. In einem 2011 publiziertem Paper war diese beim KOOS-PS Fragebogen zwar für Gruppen hoch genug und damit valide, für Individuen jedoch nicht ausreichend hoch.10 Spätere Studien berichten von einer moderaten bis guten Test-Retest Reliabilität.7-8 Insgesamt kann Reliabilität von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden. Sie ist beispielsweise von den untersuchten Populationen, Alter, Geschlecht, Komorbiditäten etc. abhängig, was eine finale Bewertung erschwert.8,11-12

KOOS-PS Lizenz

Die Nutzung und Auswertung des KOOS-PS erfordert keine Lizenzierung und ist somit kostenfrei. Er ist auf der Internetpräsenz der Rechteinhaber erhältlich.8

Case study

Orthopädische Knie-Scores

Welche Scores gibt es für Knie-Patienten?

Und wo sind die Unterschiede?

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Fazit

Der KOOS-PS ist ein international etablierter, interkulturell validierter, vor allem aber kurzer Fragebogen für multizentrische, länderübergreifende klinische Studien im ambulanten und klinischen Setting. Er eignet sich besonders für Register, bei Anwendung mehrerer PROMs oder in älteren Populationen bzw. zur Erfolgsbeurteilung von DMOADS. Außerdem ist der KOOS-PS Teil des Standard ICHOM Sets für Hüft- bzw. Knie-Osteoarthritis und für diese Indikationen weitreichend genutzt.13 Zur Verlaufsbeurteilung einzelner Patienten sollte er jedoch mit Vorsicht genutzt werden. Hierzu empfehlen wir die Verwendung des kompletten KOOS.

Neuigkeiten aus unserem Blog

QUELLEN

  1. Perruccio AV, Stefan Lohmander L, Canizares M, et al. The development of a short measure of physical function for knee OA KOOS-Physical Function Shortform (KOOS-PS) – an OARSI/OMERACT initiative. Osteoarthritis Cartilage 2008;16:542-50.
  2. http://koos.nu/koospsusers.html. (Accessed Feb 7th, 2019)
  3. Goncalves RS, Cabri J, Pinheiro JP, Ferreira PL, Gil J. Reliability, validity and responsiveness of the Portuguese version of the Knee injury and Osteoarthritis Outcome Score–Physical Function Short-form (KOOS-PS). Osteoarthritis Cartilage 2010;18:372-6.
  4. Gul ED, Yilmaz O, Bodur H. Reliability and validity of the Turkish version of the knee injury and osteoarthritis outcome score-physical function short-form (KOOS-PS). J Back Musculoskelet Rehabil 2013;26:461-6.
  5. Davis AM, Perruccio AV, Canizares M, et al. Comparative, validity and responsiveness of the HOOS-PS and KOOS-PS to the WOMAC physical function subscale in total joint replacement for osteoarthritis. Osteoarthritis Cartilage 2009;17:843-7.
  6. http://koos.nu (Accessed Feb 7th, 2019)
  7. Ruyssen-Witrand A, Fernandez-Lopez CJ, Gossec L, Anract P, Courpied JP, Dougados M. Psychometric properties of the OARSI/OMERACT osteoarthritis pain and functional impairment scales: ICOAP, KOOS-PS and HOOS-PS. Clin Exp Rheumatol 2011;29:231-7.
  8. Singh JA, Luo R, Landon GC, Suarez-Almazor M. Reliability and clinically important improvement thresholds for osteoarthritis pain and function scales: a multicenter study. J Rheumatol 2014;41:509-15.
  9. ICHOM, International Consortium for Health Outcomes Measurement. Data collection reference guide for Hip & Knee Osteoarthritis. 2015; Cambridge. Retrieved from http://www.ichom.org
  10. Collins NJ, Misra D, Felson DT, Crossley KM, Roos EM. Measures of knee function: International Knee Documentation Committee (IKDC) Subjective Knee Evaluation Form, Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score (KOOS), Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score Physical Function Short Form (KOOS-PS), Knee Outcome Survey Activities of Daily Living Scale (KOS-ADL), Lysholm Knee Scoring Scale, Oxford Knee Score (OKS), Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index (WOMAC), Activity Rating Scale (ARS), and Tegner Activity Score (TAS). Arthritis Care Res (Hoboken) 2011;63 Suppl 11:S208-28.
  11. Roos EM, Engelhart L, Ranstam J, Anderson AF, Irrgang J, Marx RG, et al. ICRS recommendation document: patient-reported outcome instruments for use in patients with articular cartilage defects. Cartilage. 2011;2:122–36.
  12. Frost MH, Reeve BB, Liepa AM, Stauffer JW, Hays RD, Sloan JA. What is sufficient evidence for the reliability and validity of patient-reported outcome measures? Value in Health 2007;10:S94-S105.
  13. Harris KK, Dawson J, Jones LD, Beard DJ, Price AJ. Extending the use of PROMs in the NHS—using the Oxford Knee Score in patients undergoing non-operative management for knee osteoarthritis: a validation study. BMJ Open 2013;3:e003365.