Knee Society Score – KSS

1989 wurde das Knee Society Clinical Rating System als Scoring System entwickelt, das ausschließlich von den behandelnden Ärzten zu erheben war. Dies änderte sich mit dem neuen Knee Society Knee Scoring Systems, auch bekannt als Knee Society Score, dessen Entwicklung 2008 begann und das schließlich 2011 publiziert wurde.1

Knee Society Score Fragebogen Inhalt

Das neue Knee Society Knee Scoring System ist ein Score, der sowohl Komponenten hat, die von den behandelnden Chirurgen erhoben werden müssen, als auch Komponenten, die der Patient selbst beantworten muss. Somit gehört der Score auch zu den Patient Reported Outcome (PRO)-Instrumenten. Er beurteilt Patienten mit Arthroplastik des Kniegelenks über 4 Subskalen und 35 Fragen:1

  • Objektiver Knee Score – 4 Fragen (Chirurg)
  • Symptome – 3 Fragen (Patient)
  • Zufriedenheit – 5 Fragen (Patient)
  • Erwartungshaltung – 3 Fragen (Patient)
  • Funktionelle Aktivität – 19 Fragen (Patient)
Case study

Orthopädische Knie-Scores

Welche Scores gibt es für Knie-Patienten?

Und wo sind die Unterschiede?

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Knee Society Score Auswertung

Die Knee Society besitzt keinen speziellen Algorithmus zur Auswertung des Knee Scoring Systems. Sie betont aber, dass bei Berechnung von Outcomes ausschließlich die subjektiven Subskalen berücksichtigt werden sollen, die vom Patienten ausgefüllt worden sind: Symptome, Zufriedenheit, Erwartungshaltung und Funktionelle Aktivität. Die 4 vom Chirurgen auszufüllenden Fragen des objektiven Knee Scores dienen nur zur Sammlung weiterer Informationen und zum Vergleich des PROs mit dem Vorgängerscore.1,2

Da die Autoren allerdings den Antwortmöglichkeiten Punktwerte zugeordnet haben, ist es möglich, dementsprechend zu rechnen. So kann man den Antworten des Patienten ihre vordefinierten Punktwerte zuordnen und anschließend die Antwortpunkte der jeweiligen Subskalen berechnen und schließlich insgesamt summieren. Diese ergeben einen Gesamtscore, anhand welchem man die Patienten beurteilen kann.

Knee Society Score Stärken

Im Vergleich zu seinem Vorgänger, dem Knee Society Clinical Rating System, ist die jetzige Konzeption als PRO-Instrument zeitgemäßer, um den Gesundheitszustand des Patienten zu messen. PROs zeigen sich als aussagekräftige Instrumente und werden bereits seit Jahrzehnten eingesetzt.

Außerdem berücksichtigt er mit seinen Fragen eine Vielzahl von physischen Tätigkeiten, die Patienten unterschiedlichsten Alters durchführen. Folglich kann er sowohl bei älteren als auch bei jüngeren Patienten genutzt werden.1

Knee Society Score Schwächen

Mit einem Umfang von 35 Fragen und der Voraussetzung, dass Chirurg und Patient ihn ausfüllen müssen, ist die prinzipielle Nutzung des Knee Scoring Systems in der Patientenversorgung aufgrund des Aufwandes problematisch.

Überdies ist eine große Schwäche des Knee Scoring Systems außerdem der fehlende Scoring Algorithmus, was zu Unklarheiten und variablen Auswertungen führt. Die Autoren treffen in ihrem Benutzerhandbuch keine Aussagen darüber, auf welche Art und Weise man den Score berechnen soll. Verschiedene Institutionen könnten nach Belieben unterschiedlich rechnen. So könnten einige Abteilungen beispielsweise die Subskalen einzeln betrachten, während andere einen Gesamtscore berechnen. Weitere Abteilungen könnten wiederum die Subskala der Symptome ausschließen, da die Entwicklungsstudie diese zur Subskala des objektiven Knee Scores zählt.1,2

Darüber hinaus gibt es noch keine normativen Daten, mit denen man die Patienten beurteilen kann. Damit fehlen Referenzwerte, um differenzieren zu können, welche Patienten sich beispielsweise wenig oder stark verbessert haben.

Zu guter Letzt gibt es noch nicht genügend Validierungsstudien, die seine Aussagekraft belegen.

Knee Society Score Lizenz

Die Nutzung und Auswertung des Knee Society Knee Scoring Systems erfordert eine Lizenzierung. Die Rechteinhaber machen auf ihrer Internetpräsenz allerdings keine Angaben darüber, ob Lizenzgebühren oder anderweitige Kosten zu zahlen sind.3

Fazit

Das neue Knee Society Knee Scoring System ist unserer Ansicht nach aktuell noch nicht geeignet, um Patienten mit Arthroplastik des Kniegelenks zuverlässig und effektiv zu beurteilen. Es fehlen ein valider Scoring-Algorithmus, valide normative Daten und auch genügend valide Studien, die seine Aussagekraft belegen können. Daher sollte sich seine Nutzung vorerst auf Validierungszwecke beschränken.

Neuigkeiten aus unserem Blog

QUELLEN

  1. Noble PC, Scuderi GR, Brekke AC, et al. Development of a new Knee Society scoring system. Clin Orthop Relat Res 2012;470:20-32.
  2. http://kneesociety.org/wp-content/uploads/2017/08/2011-KSS-User-Manual_FINAL_12-2012.pdf (Accessed July 30th, 2019)
  3. http://kneesociety.org/the-knee-society-score/ (Accessed July 30th, 2019)