HOOS-PS (Physical Function Short Form)

Der 2008 publizierte HOOS-PS ist eine Kurzform des Hip disability and osteoarthritis outcome score (HOOS) und wurde zur Beurteilung der physischen Funktion von Patienten mit Hüftgelenksarthrose entwickelt.1,2

HOOS-PS Inhalt

Der HOOS-PS wurde über Rasch-Analyse (Item-Response-Theorie) aus den insgesamt 21 Fragen umfassenden HOOS-Subskalen “Funktion im täglichen Leben” bzw. “Sport und Freizeit” abgeleitet.3,4 Der Score besteht aus fünf Fragen, welche das Ausmaß der hüftbezogenen Schwierigkeiten des Patienten bei verschiedenen Tätigkeiten abfragt. Die Items werden über eine 5-Punkt Likert-Skala (0-4) bewertet.3,4 Die deutsche Version des Fragebogens ist hier einsehbar.

Auswertung

Zunächst werden den Antworten eines Patienten vordefinierte Punktwerte zugeordnet:

Keine [Schwierigkeiten] = 0 Punkte, wenig = 1, mäßige = 2, große = 3, sehr große = 4 Punkte.

Anschließend werden die Punkte zusammengezählt und die Gesamtpunktzahl anhand einer Konvertierungstabelle auf einen Wert zwischen 0 und 100 übertragen.5

Für eine aussagekräftige Auswertung des Scores müssen alle Fragen beantwortet werden.3

Analog zum KOOS-PS muss auch hier beachtet werden, dass es zwei verschiedene Konvertierungstabellen gibt. Für rheumatologische Fragestellungen (Arthrose) wird diejenige Konvertierung empfohlen, in der 0 Punkte keine Schwierigkeiten bzw. 100 Punkte größtmögliche Schwierigkeiten bei Ausführung der Tätigkeiten bedeuten, da dies der Tradition auch anderer rheumatologischer Messverfahren folgt. Bei orthopädischen Fragestellungen, gleichzeitiger Verwendung anderer HOOS-Subskalen oder dem SF-36 bzw. EQ-5D sollte hingegen eine Konvertierung zu 0 (größte Schwierigkeiten) bis 100 (keine Schwierigkeiten) erfolgen, um kongruente Scoring-Richtungen zu gewährleisten. Um Interpretationsfehler zu vermeiden, sollte bei Verwendung des HOOS-PS also immer die gewählte Konvertierung angegeben werden.

Case study

Orthopädische Knie-Scores

Welche Scores gibt es für Knie-Patienten?

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Stärken

Der HOOS-PS ist interkulturell, für verschiedene Altersgruppen und inhaltlich validiert. Bei starker Korrelation mit Scores wie dem WOMAC-PF waren die interne Konsistenz (Crohnbach’s alpha von 0,79) und die Responsivität gut (Intra-Class Correlation Coefficient (ICC), von 0,8).6-8 Auch die Änderungssensitivität des HOOS-PS ist vergleichbar mit Scores wie dem WOMAC-PF oder KOOS-PS (standardized response mean (SRM) von 1,5 -1,7).6

Im Gegensatz zu den WOMAC-Scores, beinhaltet der HOOS-PS aber auch körperlich belastende Aktivitäten (“Rennen”) und ist somit in der Lage, ein breiteres Beschwerdespektrum der Hüftgelenksarthrose abzubilden. Hinsichtlich der klinischen Nutzung ist insbesondere der geringe Umfang des Fragebogens vorteilhaft. 

Schwächen

Inwieweit eine Abbildung körperlich anspruchsvoller Aktivitäten (s.o.) sinnvoll ist, hängt vom Patientenkollektiv ab. So ist bspw. bei Patienten mit Hüft-TEP nur bei einem Teil der Gruppe nach Operation eine Veränderung des Items “Rennen” zu erwarten und der Score so potentiell weniger sensitiv.6 Kliniker sollten beachten, dass der HOOS-PS ausschließlich körperliche Funktion, also weder Schmerz, Symptome noch hüftbezogene Lebensqualität evaluiert.

Lizenz

Die Nutzung und Auswertung des HOOS-PS erfordert keine Lizenzierung und ist somit kostenfrei. Der Score kann über die Internetpräsenz der Rechteinhaber bezogen werden.

Fazit

Der HOOS-PS ist ein valider und reliabler Score mit guter Änderungssensitivität. Seine psychometrischen Eigenschaften sind vergleichbar mit dem WOMAC. Insgesamt eignet er sich für die Beurteilung der körperlichen Funktion von Patienten mit Hüftgelenksarthrose, sollte für eine umfassendere Betrachtung aber mit anderen PROMs kombiniert werden. Das ICHOM – Set “Hip & Knee Osteoarthritis” beinhaltet beispielsweise neben dem HOOS-PS bspw. auch noch den KOOS-PS, Veterans RAND12 (VR-12) und EQ-5D-3L sowie eine visuell-analoge Schmerzskala.9 Theoretisch kann der HOOS-PS auch aus dem umfangreicheren HOOS errechnet werden.

Quellen

  1. Davis AM, Perruccio AV, Canizares M, et al. The development of a short measure of physical function for hip OA HOOS-Physical Function Shortform (HOOS-PS): an OARSI/OMERACT initiative. Osteoarthritis and Cartilage 2008;16:551-9.
  2. Nilsdotter AK, Lohmander LS, Klässbo M, Roos EM. Hip disability and osteoarthritis outcome score (HOOS) – validity and responsiveness in total hip replacement. BMC Musculoskeletal Disorders 2003;4.
  3. http://www.koos.nu/hoospspres.html (Accessed October 30th 2019)
  4. Tennant A. Conaghan PG. The Rasch measurement model in rheumatology: what is it and why use it? When should it be applied, and what should one look for in a Rasch paper? Arthritis & Rheumatism. 2007; 57(8):1358-62.
  5. http://www.koos.nu/hoospsusers.html (Accessed October 30th 2019)
  6. Davis AM, Perruccio AV, Canizares M, et al. Comparative, validity and responsiveness of the HOOS-PS and KOOS-PS to the WOMAC physical function subscale in total joint replacement for osteoarthritis. Osteoarthritis Cartilage 2009;17:843-7.
  7. Ruyssen-Witrand A, Fernandez-Lopez CJ, Gossec L, Anract P, Courpied JP, Dougados M. Psychometric properties of the OARSI/OMERACT osteoarthritis pain and functional impairment scales: ICOAP, KOOS-PS and HOOS-PS. Clin Exp Rheumatol 2011;29:231-7.
  8. Ornetti P, Perruccio AV, Roos EM, Lohmander LS, Davis AM, Maillefert JF. Psychometric properties of the French translation of the reduced KOOS and HOOS (KOOS-PS and HOOS-PS). Osteoarthritis Cartilage 2009;17:1604-8.
  9. https://www.ichom.org/portfolio/hip-knee-osteoarthritis/ (Accessed October 30th 2019)

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