PROMs werden Pflicht in Zürich

Wie PROMS die Orthopädie und Unfallchirurgie im Kanton Zürich verbessern sollen

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Mit dem Ziel, die Indikations- und Ergebnisqualität weiter zu verbessern, hat der Kanton Zürich ein neues Projekt initiiert. Zusammen mit Swiss Orthopaedics (die schweizerische Gesellschaft für Orthopädie und Traumotologie) sollen PROMs (Patient-reported Outcome Measures) ab Juli 2019 als weiteres Werkzeug zur Qualitätskontrolle eingesetzt werden.

Verpflichtende Teilnahme für Züricher Orthopädien

So werden alle 21 Züricher Listenspitäler (Krankenhäuser mit Versorgungsauftrag vom Kanton) dazu verpflichtet, bei Patienten mit Hüft- und Kniegelenkersatz die Lebensqualität vor der OP und ein Jahr danach zu erfassen. Verwendet wird dazu eine um drei Fragen erweiterte Form des EQ-5D-5L. Dieses von den Ärzten gewünschte sog. Patient Reported Outcome Measure (PROM) ist ein international etablierter und wissenschaftlich validierter Patientenfragebogen.

Vergleich mit nationalem Register

Zusammen mit weiteren klinischen Daten werden die PROM-Daten der Züricher Orthopädien in das bereits bestehende Register für Hüft- und Knieimplantationen (SIRIS) eingespeist. Außerdem erhält jedes Krankenhaus einmal jährlich eine Auswertung seiner Daten. Ziel ist es, über einen derartigen Vergleich gezielt Qualitätsverbesserungen zu bewirken.

Neues Qualitätslabel
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Swiss Orthopaedics selbst trägt die Kosten für das Projekt. Es ist der Pilot für das neu geschaffene „swiss orthopaedics excellence“ Qualitätslabel, dessen Verleihung unter anderem eine externe Kontrolle der Indikations- und Ergebnisqualität für Schlüsseleingriffe voraussetzt. Nach der Vorgabe von Mindestfallzahlen im Jahr 2012 soll so ein weiterer Schritt hin zu einer noch besseren Versorgung gelingen.

Mögliche Lösung auch für Herzchirurgie?

Auch an anderer Stelle im Kanton sucht man nach Wegen, v. a. die Ergebnisqualität zu verbessern. Insbesondere bei Koronararterien-Bypass-OPs ist sowohl im Unispital, als auch im Stadtspital Triemli die Mortalität höher, als laut Risikoprofil der Patienten zu erwarten wäre. Hier zeigten ein externer Audit und verschiedene Verbesserungsmaßnahmen bereits positive Effekte. In Zukunft wünscht sich die Fachgesellschaft der Schweizer Herzchirurgen trotzdem eine genauere und bessere Vergleichbarkeit von Herzoperationen. Deswegen wurde bereits ein entsprechendes Register initiiert. Gerade aber für ein umfassenderes Bild von der Gesundheit behandelter Patienten und den Auswirkungen einer Chirurgie auf diese, könnten PROMs als direkte Messtools für Lebensqualität eine wertvolle Ergänzung sein.

Alle Informationen zum geplanten PROM-Projekt sind in dieser Broschüre zusammengefasst und die offizielle Pressemeldung vom Kanton Zürich ist hier einsehbar.

Studie in Deutschland: Führende Endoprothetikzentren setzen auf PROMs

In Deutschland ist die Erfassung vom PROMs noch keine Pflicht. Jedoch gehen wir gemäß der gesundheitspolitischen Entwicklung davon aus, dass dies bald der Fall sein wird.

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Deshalb starteten wir im Oktober 2019 gemeinsam mit führenden Endoprothetikzentren aus Deutschland die Studie PROMoting Quality im Rahmen eines Innovationsfonds-Projekts mit der Barmer und dem BKK Dachverband. Mit dabei sind u. a. Charité, MHH, Schön, Sana und Helios Kliniken. Die Leitung hat die TU Berlin.

Ziel ist es, mit Hilfe der digitalen Erfassung von PROs frühzeitig postoperative Komplikationen bei Patienten mit einem Knie- und Hüftgelenksersatz zu identifizieren.

Erhalten Sie hier die detaillierte Vorstellung zum Projekt:

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Verfasst von

Lion Thiel

Medizinstudent und Doktorand an der Charité. Schreibt für heartbeat regelmäßig über Wissenschaft, Politik und Medizin.

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