13.06.2019

Patient Reported Outcomes im Fokus der deutschen Gesundheitspolitik

Jens Spahn bemängelt Qualitätsmessungen in deutschen Kliniken

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Das Gesundheitsministerium hat diese Woche einen weiteren großen Schritt Richtung wertebasierte Medizin in Deutschland gemacht. Jens Spahn kündigte an, dass es ökonomische Folgen haben wird, wenn die Messung von Ergebnis- und Lebensqualität nicht in den Alltag von Krankenhäusern gelangt.

In Zukunft soll Lebensqualität gemessen werden, um nicht nur transparenter zu werden, sondern auch eine neue Grundlage für die Bezahlung zu bieten – alles im Sinne des Patienten. Vorreiter, wie die Charité, messen ihre Ergebnisqualität bereits seit einigen Jahren.

Innovation für mehr Qualität

Eine mögliche Lösung, die bereits seit einigen Jahres im Gesundheitssektor diskutiert wird, ist das Bundled-Payment-Modell. Dabei handelt es sich um ein alternatives Vergütungsmodell, das darauf abzielt, eine wertorientierte Versorgung zu erreichen. Bei diesem Modell werden Anreize für Anbieter geschaffen, die Koordination und Effizienz der Versorgung voranzutreiben und gleichzeitig die Qualität und die Ergebnisse bei geringeren Kosten zu verbessern. Die Kosten für einen gesamten Behandlungspfad werden gemeinsam definiert und alle Stakeholder beteiligen sich an Verlusten oder Einsparungen, die sich aus der Differenz zwischen diesem Zielpreis und den tatsächlichen Kosten ergeben.

Ziel ist es, Anreize zu schaffen, die Ergebnisqualität zu verbessern und vermeidbare Komplikationen zu reduzieren. Die Vergütung erfolgt demnach in einem Bereich, auf den die Stakeholder direkten Einfluss haben.

Inspiration aus Schweden

Die Schweden machen es vor: 2009 wurde hier der erste Bundled-Payment Vertrag im Bereich der Knie- und Hüftendoprothetik unterzeichnet. An dem Projekt mit dem Namen “OrthoChoice” beteiligten sich mehrere Kliniken und die Ergebnisse sind beeindruckend. Das Pilot-Projekt verbesserte sowohl die gesundheitlichen als auch die finanziellen Ergebnisse auf regionaler Ebene und wurde infolgedessen auf ganz Schweden ausgeweitet. Eine wichtige Rolle spielte hier zuvor die Dezentralisierung des Gesundheitssystems, denn dies führte zu einer höheren Verantwortung aber auch Flexibilität der lokalen Kliniken hinsichtlich der Ergebnisqualität.4

Unser Plädoyer für mehr PROMs im deutschen Gesundheitswesen
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Anfang des Jahres hatten wir die Gelegenheit das Thema PROMs und Value-based Healthcare gemeinsam mit Herrn Spahn im Bundesministerium für Gesundheit ausführlich zu diskutieren. Deshalb freuen wir uns nun umso mehr über die offizielle Stellungnahme von ihm zum Thema Qualität im deutschen Gesundheitswesen. Wir werden weiterhin daran arbeiten, die Messung der Lebensqualität von Patienten in den Klinikalltag zu integrieren, die Arbeit der Ärzte zu erleichtern und der Forschung einen neuen Datenpunkt zu liefern.

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Verfasst von
Josefine Wolff

Expertin für Gesundheitswesen und Medizin, mit Schwerpunkt und Forschungserfahrung in der Onkologie

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Quellen:

  1. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/103826/Spahn-kuendigt-Krankenhaeusern-Konsequenzen-bei-Qualitaetsproblemen-an (Accessed June 13th 2019)
  2. https://www.christenseninstitute.org/blog/what-is-value-based-payment-and-what-does-it-mean-for-healthcare/ (Accessed June 13th 2019)
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC533938 (Accessed June 13th 2019)
  4. https://www.hbs.edu/faculty/Publication%20Files/Reimbursement%20Intensive%20Seminar%202012_230391a3-3491-4d26-b8fb-88e550a93a84.pdf (Accessed June 13th 2019)