OECD empfiehlt elektronische Auswertung von Patientenakten

Aus einem neuen Untersuchungsbericht der OECD geht hervor, dass in Deutschland mehr Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben als im OECD-Vergleich. Dabei haben wir nicht nur in der Vorsorge aufzuholen.

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Das kann Deutschland von seinen Nachbarn beim Thema eHealth lernen (Quelle: Davide Ragusa)

Nach einer Analyse der OECD sterben in Deutschland pro Jahr pro 100.000 Einwohner 310 an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt.  Der OECD Durchschnitt liegt jedoch bei 299 Toten. Etwas relativiert wird diese Zahl jedoch durch das im Schnitt höhere Alter der in Deutschland betroffenen Personen.

Neben der Analyse der aktuellen Situation listet die Studie dabei eine Reihe an Verbesserungsmöglichkeiten zur weiteren Senkung der Sterblichkeitsrate durch HKL-Erkrankungen auf. Neben der Empfehlung grundsätzlich mehr für die Vorsorge zu tun und Menschen besser und früher über gesunde Lebensführung aufzuklären, ist eine Empfehlung besonders spannend.

Die Vorteile einer systematischen Auswertung elektonischer Patientenakten

Am Beispiel Dänemark erläutert der OECD Bericht, zu welche positiven Auswirkungen es durch die Einführung vollständig elektronischer Patientenakten kommen kann. So ist es in Dänemark möglich die digitale Krankenakte systematisch nach der besten Behandlungspraxis auszuwerten. Verwendet werden dazu Daten zur Diagnose, Behandlung, verschriebener Rezepte sowie Laborergebnisse.

Die OECD empfiehlt darüber hinaus Standards zur Erfassung von Daten zur Qualitätsmessung auf nationaler Ebene zu entwickeln.

In Deutschland hat sich seit Anfang des Jahres das Institut für Qualitätssichering und Transparenz im Gesundheitswesen, das IQTIG, im Auftrage des Bundes diesem Ziel verschrieben. Laut Roadmap werden erste Ergebnisse allerdings erst Ende 2017 veröffentlicht. Die Deutschen sind eben nicht immer die schnellsten.

Doch warum komplett von vorne Anfangen, wenn wir etablierte Standards übernehmen können? Mit ICHOM, dem International Consortium for Health Outcomes, hat sich in den USA bereits eine Organisation der Entwicklung internationaler Standards zur Qualitätsmessung verschrieben.

Patient-Related Outcomes könnten unser Gesundheitssystem revolutionieren

Während sich aus den rein objektiven Falldaten bereits viele Rückschlüsse ziehen lassen, sollen laut ICHOM diese Daten langfristig durch weitere so genannte Patient-Reported Outcomes ergänzt werden. Hierbei geht es um die kontinuierliche Befragung der einzelnen Patienten zu ihrem Gesundheitszustand vor und langfristig nach einer Behandlung. Diese Art der Befragung hilft nicht nur dabei, die tatsächliche Behandlungsqualität präzise zu messen, sondern führt per se bereits zu besseren Behandlungsergebnissen durch eine stärkere Einbindung und Kommunikation mit dem Patienten. Die Unternehmensberatung McKinsey hat hierzu bereits 2013 eine ausführliche Studie veröffentlicht. Deren Ergebnis: der flächendeckende Einsatz der so genannten „patient reported outcome measures“ würde allein in den USA zu Einsparung im Billionen Bereich führen.

Mit Hilfe der elektronischen Krankenakte ließen sich diese Daten dann anschließend ebenfalls zur Analyse heranziehen. Das ICHOM entwickelt dabei gerade in internationalen Expertengruppen passgenaue Befragungsschematas für alle großen Krankheitsbilder. Bis 2017 sollen dabei 50 Standardsets und damit 50% der 100 weltweit häufigsten Indikationen entstanden sein.

Ein Standard-Set für koronare Herzerkrankungen, eine Folge der im allgemeinen als „Arterienverkalkung“ bekannten Arteriosklerose, wurde dabei als einer der wichtigsten Krankheitsbilder bereits entwickelt. Es besteht neben einer Definition aufzunehmender Parameter aus konkreten ärztlichen Formularen und dazu passenden Fragebögen für Patienten. Gefährdete Patienten können hiermit im halbjährlichen Zyklus zu Ihren Symptomen befragt werden. Neben der Funktion der Früherkennung dient das standardisierte Set als Grundlage für internationale Studien und Vergleiche.

Deutschland tut sich schwer mit eHealth

Unterdessen kommt die flächendeckende Einführung der elektronischen Krankenakte in Deutschland nur schleppend voran. Zwar ist eine solche Einführung politisch gewollt, aber wie man am Besipiel der elektronischen Krankenkarte sieht, mehr als träge. Beschlossen wurde die Karte vor 10 Jahren. Aktueller Stand ist dabei jedoch, dass lediglich Patientenstammdaten gespeichert werden. Ein gemeinsamer Konsens, dem alle Akteure zustimmen würden, ist bisher nicht gefunden. Saskia Esken, Mitglied des deutschen Bundestages sagte dazu auf der ConhIT, dass Vorstöße private Unternehmen begrüßt werden.

Wir haben die OECD Studie zum Anlass genommen und das ICHOM Standard Set zur frühzeitigen Erkennung und langfristigen Kontrolle von koronalen Herzerkrankungen in unser System heartbeat ONE eingepflegt. Wir hoffen somit einen messbaren Beitrag für Deutschlands Gesundheitswesen leisten zu können.