13.02.2019

Erfolgreiche PROM Einführung am Brustzentrum der Charité

Das Charité Brustzentrum veröffentlichte erste Daten zu Nutzung und Etablierung von heartbeat. 

Erfolgreiche PROM Einführung am Brustzentrum der Charité 1
©CC BY-SA 4.0, Source: INTERRAILS – Wikipedia

Erst vor knapp über zehn Jahren wurden Patient Reported Outcome Measures (PROMs) von der FDA als „jede Art von Aussage über einen Gesundheitszustand und dessen Behandlung, der direkt vom Patienten kommt“, definiert.1 Mit der Anerkennung dieser erfolgte so auch von offizieller Seite ein längst überfälliger Schritt – werden PROMs doch in der klinischen Forschung und Praxis schon seit Jahrzehnten als Goldstandard eingesetzt, um den Gesundheitszustand und die Lebensqualität aus Patientensicht adäquat zu messen.1-3 

Nutzen von PROMs vielfach gezeigt

Zunehmend berichten Studien mittlerweile auch von einem konkreten klinischen und wirtschaftlichen Nutzen, wie beispielsweise der Erfolg der Martini Klinik Hamburg zeigt. Insbesondere in der Onkologie schlugen einschlägige Veröffentlichungen bereits hohe Wellen.

Trotz all der Positivbeispiele gibt es nach wie vor Vorbehalte gegenüber einer PROM Implementierung in den Klinikalltag. Eine Befragung von weltweit 1.634 AOSpine-Mitglieder (64% Orthopäden, 36% Neurochirurgen) ergab, dass dort vor allem Zeit- und Personalmangel sowie fehlende Strukturen und Software für die PROM-Erfassung als hauptsächlichen Barrieren gegen eine routinemäßige PROM-Nutzung wahrgenommen werden.4

Charité Studie analysiert Nutzungsdaten

Hier setzt nun eine neue Studie aus dem Brustzentrum der Charité an.5 Dort erhebt man seit November 2016 mit unserer Software PROs. Die Autoren haben jetzt die im ersten Jahr generierten Daten zu Nutzung und Etablierung eines elektronischen PRO Systems veröffentlicht.

Initiale Implementierungsphase

Zunächst beobachten sie eine mindestens sechs Monate dauernde Latenzphase vom Zeitpunkt der Systemeinführung bis zur reibungslosen Funktion. Als mögliche Ursachen dafür identifizierten die Autoren vor allem die Zeit für Einführung, Motivation und Schulung aller Akteure und bei Implementierung neu auftretende technische Probleme. Die anfänglichen Schwierigkeiten spiegeln sich auch in der monatlichen Zahl neu teilnehmender Patienten im ersten Jahr wider (Abb. 1).5

Outcome Messung mit heartbeat Brustkrebszentrum Patientenzahlen
Abb. 1: Zahl neu erfasster Patienten pro Monat im ersten Jahr nach Implementierung.5
Im Verlauf konstant hohe Patientenzahlen

Waren diese Probleme allerdings überwunden, konnten konstant Patienten für die Outcome Messung gewonnen werden. Auch die Rücklaufquote der follow-up Fragebögen verbesserte sich im Laufe der Zeit leicht. Insbesondere in den letzten Monaten des Analysezeitraums stabilisierte sie sich auf einem Niveau von ca. 80% (Abb. 2).5

Outcome Messung mit heartbeat Brustkrebszentrum Patientenzahlen
Abb. 2: Pro Monat versandte Fragebögen (blauer Graph) und Zahl der Beantworteten (roter Graph). Säulen zeigen die daraus ermittelte Rücklaufquote in Prozent an.5
Digitale PROMs funktionieren altersunabhängig

Im Gegensatz zu anfänglichen Befürchtungen zeigen Autoren vor allem, dass Patienten altersunabhängig eine digitale PROM Erhebung bevorzugen. Auch die grundsätzliche Bereitschaft zu einer derartigen Outcome Messung inklusive Langzeit-follow-up ist bei allen Altersgruppen vorhanden (Abb. 3).5

Outcome Messung mit heartbeat Brustkrebszentrum Patientenzahlen
Abb. 3: Bevorzugtes Medium der PROM-Erhebung. Papier (hellblau) oder Digital bzw. keine Präferenz (dunkelblau).5

Insgesamt hat das Charité Brustzentrum so im Beobachtungszeitraum 541 Patienten erfasst und 2470 Fragebogen versandt. Auch für die Zukunft streben die Autoren weitere Publikationen und damit verbundene Erkenntnisgewinne an. Schon jetzt zeigen sie aber, dass eine PRO-Messung mit heartbeat ONE auch im Alltag einer großen Universitätsklinik funktioniert – entgegen aller Vorbehalte.

Wir von heartbeat freuen uns ebenfalls über die gelungene Implementierung von PROMs im Brustzentrum und darüber, die Charité auch weiterhin auf ihrem Weg hin zu mehr Behandlungs- und Lebensqualität für die Patienten zu begleiten.

Quellen

  1. Res FCDE, Res FCBE. Guidance for industry: patient-reported outcome measures: use in medical product development to support labeling claims: draft guidance. Health Qual Life Outcomes 2006;4.
  2. Doward LC, Gnanasakthy A, Baker MG. Patient reported outcomes: looking beyond the label claim. Health Qual Life Outcomes 2010;8:89.
  3. Mokkink LB, Terwee CB, Patrick DL, et al. The COSMIN checklist for assessing the methodological quality of studies on measurement properties of health status measurement instruments: an international Delphi study. Qual Life Res 2010;19:539-49.
  4. Falavigna A, Dozza DC, Teles AR, et al. Current Status of Worldwide Use of Patient-Reported Outcome Measures (PROMs) in Spine Care. World Neurosurg 2017;108:328-35.
  5. Karsten MM, Speiser D, Hartmann C et al. Web-Based Patient-Reported Outcomes Using the International Consortium for Health Outcome Measurement Dataset in a Major German University Hospital: Observational Study. JMIR Cancer 2018;4(2):e11373
Erfolgreiche PROM Einführung am Brustzentrum der Charité 2
Verfasst von
Josefine Wolff

Expertin für Gesundheitswesen und Medizin, mit Schwerpunkt und Forschungserfahrung in der Onkologie

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