Dezember 5, 2018

DWG Register – Daten digital erfassen

Seit dem Jahr 2011 gibt es mittlerweile das sog. DWG (Wirbelsäulen-)Register. Was sehr klein angefangen hat, umfasst sieben Jahre später knapp 50.000 komplette Datensätze und ist Teil zahlreicher Publikationen.1-2 In Zeiten von Implant Files, kritischem Klinik TÜV und Co. kann man also auch sagen: nicht alles läuft schlecht bei der Qualitätskontrolle im deutschen Gesundheitssystem.

Ein Register – viele Ziele

Mit der Einrichtung eines Registers für Wirbelsäulenerkrankungen verfolgten die Initiatoren verschiedene Ziele. Einerseits sollte der „state of the art“ deutscher Wirbelsäulenmedizin dargestellt werden. Andererseits wollte man die Indikations- bzw. Ergebnisqualität und Outcomes verschiedener Therapien sichern sowie durch nationales Benchmarking vergleichbar machen. Darüber hinaus sah die deutsche Wirbelsäulengesellschaft (DWG) das Register als eine Ergänzung zu randomisierten, kontrollierten Fallstudien und gleichzeitig auch als Netzwerk zur Initiierung dieser.3

Internationaler Vergleich

Das DWG Register ist inhaltlich und organisatorisch eng mit dem internationalen Spine Tango Register verbunden. Entsprechend fließen die in Deutschland erhobenen Daten in Spine Tango mit ein und werden vom selben Schweizer Institut (dem ISPM der Uni Bern) ausgewertet. Auch die verwendeten Fragebögen sind ähnlich. So erfasst das DWG Register u.a. den COMI Neck bzw. Back, ODI, NDI und mehrere Therapie Dokumentationen.4

DWG Register Anteil
Prozentualer Anteil der eingereichten Fälle am Tango Spine Register nach Ländern5

Steigende Aussagekraft

Mit steigenden Datenmengen kann man so nicht nur Basisinformationen zu Gesundheitszustand, Prävalenz, Inzidenz oder Ausbreitung und Verlauf von Erkrankungen aussagekräftig darstellen, sondern auch neue Hypothesen generieren und untersuchen. Dadurch trägt das Register zur Evaluation von Wirksamkeit, Sicherheit und Kosteneffektivität einer Behandlung bei und kann wichtige Hinweise zur Verbesserung einzelner Therapien geben.6

Lösung eines alten Problems?

Über allem steht dabei das Problem unzureichender Evidenz in der Chirurgie. Gute randomisiert kontrollierte Studien im Sinne einer „evidence based surgery“ (EBS) sind hier oft schwer zu realisieren. So bleibt die Art der Operation oft eine Frage der individuellen klinischen Erfahrung des Chirurgen und nicht der objektiv besten Therapie.7 Zusätzlich stellt die DWG eine geringe Motivation der Ärzte zu strukturierter Datenerhebung für das Register fest. Diese sehen darin vor allem eine Zusatzbelastung zum ohnehin beachtlichen Workload. Langfristige, positive Effekte durch Qualitätskontrolle und Ökonomisierung von Prozeduren treten hier also in den Hintergrund.8 Auch deshalb verpflichtet die DWG jedes Zentrum im Zuge einer Zertifizierung als „Wirbelsäulenzentrum der DWG“ zur Teilnahme am Register.4

Mit der Medical Device Regulation (MDR) 2017 stieg außerdem das Interesse der Industrie am DWG Register.9 Diese soll ein System zur dauerhaften Überprüfung von Implantaten aufbauen und sieht in Registern die Lösung dieses Problems. Im Zuge dessen sind bereits erste gebührenpflichtige Datenanalysen erstellt worden.10

Bögen digital erfassen

Auch wir wollen diese positive Entwicklung weiter unterstützen. Deshalb haben wir in unserer Software heartbeat ONE alle DWG-Register-relevanten Fragebögen und Dokumentationen bereits implementiert. So ermöglichen wir den mit unserem System ausgestatteten Wirbelsäulenzentren, eine möglichst zeit-und arbeitssparende Teilnahme am Register – zusätzlich zur Erfassung individueller PROMs.

Quellen

  1. https://dgou.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Ueber_uns/Info-Material/2018_Berichte_Register_Zertifizierungen_DGOU_DGOOC_DGU.pdf (Accessed Dec. 05th 2018)
  2. https://www.eurospine.org/literature.htm (Accessed Dec. 05th 2018)
  3. https://www.dwg.org/wirbelsaeulenregister/das-wirbelsaeulenregister/ziele-des-registers/ (Accessed Dec. 05th 2018)
  4. https://dwg.memdoc.org (Accessed Dec. 05th 2018)
  5. https://www.eurospine.org/cm_data/2017_Spine_Tango_Annual_Report_final_1.pdf (Accessed Dec. 05th 2018)
  6. https://www.dwg.org/wirbelsaeulenregister/das-wirbelsaeulenregister/was-ist-ein-register/ (Accessed Dec. 05th 2018)
  7. Meshikhes AW. Evidence-based surgery: The obstacles and solutions. Int J Surg 2015;18:159-62.
  8. https://www.dwg.org/wirbelsaeulenregister/das-wirbelsaeulenregister/warum-ein-wirbelsaeulenregister/ (Accessed Dec. 05th 2018)
  9. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/PDF/?uri=CELEX:32017R0745 (Accessed Dec. 05th 2018)
  10. https://www.dwg.org/fileadmin/gesellschaften/media/dwg/kommissionen/wirbelsaeulenregister/Bericht_Kommission_WS_Register_2017.pdf (Accessed Dec. 05th 2018)