Die 4 größten Hürden für Digital Health Startups in Deutschland

Sein eigenes Startup aufzubauen ist unter gewöhnlichen Umständen bereits schwierig genug. Das eigene Digital Health Startup im deutschen Gesundheitswesen zu einem Erfolg zu führen, birgt dabei jedoch eine Reihe besonderer Hürden. Wir beschreiben die 4 größten Herausforderungen und erklären, was man auf jeden Fall berücksichtigen sollte.

Risiken und Hürden Digital Health Startup
Im Gesundheitswesen warten eine ganze Reihe besonderer Hürden für Startups. Wir stellen die 4 größten Hürden für Digital Health Startups in Deutschland aus unserer Sicht dar. Bildquelle: Shutterstock | rui vale sousa

Fehlendes medizinisches Fachwissen

Grundlage jeglicher Innovation im Gesundheitswesen ist immer ein bestimmtes Maß an medizinischem Fachwissen. Während bei manch kleineren Projekten, wie zum Beispiel der Entwicklung einer neuen Schrittzähler-App, der Bedarf an Fachwissen zunächst gering sein kann, ist er bei den allermeisten Innovationen hoch.
Für das eigene Digital Health Startup bedeutet dies, dass man dringend die notwendige Expertise an Board holen sollte. Dafür muss ein Mediziner nicht zwingend im Kernteam vorhanden sein. In diesem Falle empfiehlt es sich, ein so genanntes Advisory Board zu gründen. Mediziner, Biowissenschaftler und andere Fachkreise können damit integriert werden.

Unterstützungswillige Experten muss man dabei nicht nur von der eigenen Produktidee überzeugen, sondern ihnen in aller Regel auch eine konkrete Gegenleistung bieten. Um das eigene Budget dabei zu schonen und im besten Falle keine hohen Beratungshonorare zahlen zu müssen, gibt es dabei natürlich die Möglichkeit ihnen das spätere Produkt kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Häufig deckt dies jedoch nicht den jeweiligen Aufwand ab. So besteht die Möglichkeit eine geringe (Umsatz-)Beteiligung in Form von Lizenzverträgen zu vereinbaren. Diese Form der Zusammenarbeit findet dabei unter Ärzten und Medizintechnikherstellen oder Pharmaunternehmen seit vielen Jahrzehnten Anwendung.

Neben dem gewünschten Wissenstransfer schafft die Gründung eines Advisory Boards darüber hinaus Vertrauen in das neue Produkt und steigert die Reputation des eigenen Startups. Wie man dabei in 8 Schritten ein eigenes Advisory Board aufbaut, erklärt Jesse Torres auf entrepreneur.com.

Zu hohes Risiko für Ärzte und Patienten

Aus gutem Grund sind Ärzte und deren medizinisches Personal darauf geschult, sich in ihrer täglichen Arbeit auf erwiesene Behandlungswege zu verlassen. Bereits im Studium lernen sie entsprechend, von diesem Pfad nur abzuweichen, wenn neue Methoden erfolgreich validiert worden sind.

Das liegt vor Allem daran, dass ihre Entscheidungen von Natur aus nicht nur unmittelbar das Wohl der eigenen Patienten betreffen, sondern dass sie diese Entscheidungen auch noch in einem stressvollen und zeitkritischen Arbeitsumfeld treffen müssen.

Neue Ideen im Gesundheitswesen, neue Therapieformen oder Medizingeräte müssen daher ihre Effektivität zweifelsfrei nachweisen können, um im klinischen Alltag eingesetzt werden zu können.

Handelt es sich um Produkte die unmittelbare Anwendung am Patienten finden sollen, werden medizinische Studien verpflichtend sein. Für Ideen und Produkte wiederum, die nicht unmittelbar zur Patientenbehandlung verwendet werden oder eher im Life-Sciences Bereich angesiedelt sind, reichen häufig bereits eine Reihe erfolgreicher Referenzfälle, um die notwendige Vertrauensbasis aufzubauen.

Keine unmittelbare Kostenersparnis

Damit neue Lösungen und Produkte im Gesundheitswesen erfolgreich sein können, müssen sie nicht nur bestehenden Standards überlegen sein und dürfen Patienten nachweislich nicht in Gefahr bringen.
Zusätzlich, und hier unterscheidet sich das Gesundheitswesen ausnahmsweise mal kaum von anderen Bereichen, wird von neuen Innovationen erwartet, dass sie für eine unmittelbare Kostenreduktion sorgen, Effizienz steigern (Zeit sparen) und letztlich zu einer erhöhten Effektivität führen.

Im hochkomplexen Gesundheitswesen sind diese Kausalitäten jedoch nicht immer einfach nachzuweisen. Entsprechend genau sollte man sich mit diesem Thema auseinandersetzen und die Wirksamkeit der eigenen Innovation sowohl kurz- als auch langfristig darlegen können. Spätere Vertriebserfolge werden damit deutlich erleichtert.

Regulatorische Anforderungen werden unterschätzt

Von Vorgaben zur Einführung von Medizinprodukten (MPG), Datenschutzgesetzen (BDSG) oder Richtlinien zur Sicherung der Behandlungsqualität: im deutschen Gesundheitswesen sind die Anzahl der zu berücksichtigen Vorschriften besonders hoch.

Für sein eigenes Digital Health Startup sollte man sich entsprechend frühzeitig informieren, welche dieser Vorgaben einen selbst betreffen. Dabei muss man sich darauf einstellen, dass man Unterstützung von Rechtsanwälten, öffentlichen Stellen und anderen Experten in Anspruch nehmen muss. Entsprechend sollte man sein Budget für diesen Posten von Anfang groß genug auslegen und sich auf ein längeres Prozedere einstellen. Der Erfolg der gesamten Unternehmung hängt maßgeblich davon ab, wie gut man sich und sein Produkt nachweislich in die rechtlichen Rahmenbedingungen integrieren kann.

Fazit und Zusammenfassung

Der erfolgreiche Aufbau eines Ditigal Health Startups wird von unzähligen Faktoren beeinflusst. Dabei spielen die folgenden Punkte eine entscheidende Rolle:

Alles in allem bringt der Aufbau eines Digital Health Startups damit eine ganze Reihe besonderer Hürden mit sich. Schafft man es jedoch, alle Hürden zu nehmen, bietet eine andere Eigenheit des Gesundheitswesen eine vielversprechende Belohnung:

Durch die konservative Natur des gesamten Systems, haben einmal etablierte Geschäftsmodelle meistens eine sehr lange Lebensdauer.

Es lohnt sich also jede einzelne Hürde zu meistern!

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Teilt eure persönliche Hürden bei der Gründung eines Digital Health Startup mit uns in den Kommentaren unten!