BREAST-Q – individuelle Fragemodule zur Brust

Aufgrund früherer Entdeckungsraten dank verbesserter Vorsorgeuntersuchungen in Verbindung mit der Entwicklung von Therapeutika erreichen immer mehr Patientinnen mit Brustkrebs ein besseres Gesamtüberleben.2 Das langfristige krankheitsfreie Überleben wird in 80 – 90% der Fälle erreicht3 Diese positiven Ergebnisse machen deutlich, wie weit die Krebsbehandlung gekommen ist, aber bei einer solchen Zahl von Patienten, die länger leben, ist die Messung ihrer wahrgenommenen gesundheitsbezogenen Lebensqualität von entscheidender Bedeutung.

Der BREAST-Q  ist ein brustchirurgiespezifisches PROM, das in Übereinstimmung mit den internationalen Richtlinien für PRO-Instrumente entwickelt wurde, um die Zufriedenheit der Patientinnen, die HRQOL und die Erfahrung mit der Pflege zu bewerten. Es wurde 2009 entwickelt.4

Insgesamt handelt es sich um ein PROM, das die HRQol und die Patientenzufriedenheit im Zusammenhang mit einer Brustoperation (Mastektomie, Rekonstruktion, Brustkonservierung, Augmentation, Verkleinerung) misst.5< Es ist wichtig zu beachten, dass Brustkrebs und die damit verbundenen medizinischen Eingriffe tiefgreifende Auswirkungen auf die Patientin haben können – physisch und psychologisch  Darüber hinaus sind die ästhetischen und funktionellen Ergebnisse nach der Operation sehr individuell. <6< Daher ist die Messung und Bewertung dieses Ergebnisses eine standardisierte Methode, um etwas über die Bedürfnisse der Patientinnen zu erfahren, und es ist notwendig, zukünftige chirurgische Eingriffe sowie die psychologische Nachsorge für eine optimale Gesundheit zu verbessern.

Was das BREAST-Q PROM zu einem wichtigen Bestandteil der Brustkrebsbehandlung macht, ist die Berücksichtigung psychosozialer, sexueller und emotionaler Aspekte bei chirurgischen Eingriffen, die alle keine unmittelbaren Anliegen in onkologischen Behandlungsregimen sind, sondern Auswirkungen auf den Alltag der Patientinnen haben. Die Vielfältigkeit der chirurgischen Interventionen bei Brustkrebs hat zu den modularen, verfahrensspezifischen Untergliederungen des PROM geführt, zum Beispiel das Modul Brustkrebserhaltende Therapie (BCT).7, 8

Da ein solches Scoring auf evidenzbasierten Bevölkerungsdaten basiert, ermöglicht die modulare Struktur von BREAST-Q den Pflegeteams die Abfrage therapiespezifischer Merkmale, die durch das PROM beleuchtet werden.6 Solche Module können einzeln oder kombiniert eingesetzt werden. Gegenwärtig umfasst das BREAST-Q Module zur Augmentation, Reduktion (Mastopexie) und Brustkrebs. Darüber hinaus entwickelt sich dieses PROM mit der Zeit und der Erfahrung weiter als ein zusätzliches, sogenanntes „Health-Utility-Modul“ ist in Entwicklung. Die eingeschlossenen Fragen sind nach klinischer Relevanz geordnet und aus den Antworten wird ein Score von 0 bis 100 errechnet, unabhängig von der Art und Anzahl der Module.6 Zur einfacheren Handhabung gibt es dazu Tabellen mit einem zusätzlichen Online-Programm.9 

 

Klinische Relevanz

Studien mit BREAST-Q haben u.a. eine geringere Morbidität und bessere Ergebnisse bei der autologen Brustrekonstruktion (mit patienteneigenem Gewebe von einer anderen Stelle des Körpers) im Vergleich zur Rekonstruktion mit Implantaten gezeigt. In Bezug auf letztere zeigte eine andere Studie eine höhere Patientenzufriedenheit mit Silikonimplantaten im Vergleich zu mit Kochsalzlösung gefüllten Implantatkissen.6 Das Ergebnis einer Studie von Ho et al. ergab  ein hoher Grad an Zufriedenheit mit den Chirurgen und den Informationen vor der Brustoperation aus der Sicht der Patientin erhöhte scheinbar die Wahrscheinlichkeit von insgesamt  Zufriedenheit mit den Ergebnissen.10

BREAST-Q implementierbar in grossen Kohorten

In der Zwischenzeit gibt es mehrere groß angelegte Studien und Umfragen, die das BREAST-Q verwenden. Atisha et al. führten eine Studie mit dem Programm Love/Avon Army of Women durch. In der Querschnittsstudie wurden Frauen, die sich zuvor wegen Brustkrebs operieren liessen, befragt, um verschiedene rekonstruktive Verfahren zu vergleichen und um festzustellen, wie sich die Zufriedenheit bei bestimmten Patientengruppen im Laufe der Zeit verändert. Insgesamt 7619 Patientinnen absolvierten das BREAST-Q, elektronisch mit einer Rücklaufquote von 82%. Frauen, die sich einer autologen Geweberekonstruktion unterzogen, berichteten über die höchste Brustzufriedenheit, während diejenigen, die sich einer Mastektomie ohne Rekonstruktion unterzogen, die niedrigste berichteten.11

Andere Initiativen wie die Studie des Mastectomy Reconstruction Outcomes Consortium (MROC) haben gezeigt  eine gute Skalierbarkeit des PROMs-Tools ebenfalls. 12 -14 Zusätzlich haben wichtige Meinungsbildner wie das International Consortium for Health Outcomes Measurement (ICHOM) die BREAST-Q-Studie zum Bestandteil ihres Brustkrebs-Standard-PROM-Sets gemacht, wobei sie hervorhoben, dass die aus der Anwendung von BREAST-Q gewonnenen Erkenntnisse es wert sind, in die Patientenversorgung einbezogen zu werden.15

 

Anhaltend starke Nachfrage

Ergebnisse in der onkoplastischen Mammachirurgie haben sich bisher hauptsächlich auf behandlungsspezifische Ergebnisse wie Komplikationen oder fotografische Analyse konzentriert.6 Während BREAST-Q die assoziierte HRQoL postoperativ messen kann, wurden auch Defizite beobachtet. Eltahir et al. berichteten, dass der BREAST-Q in Kombination mit dem ästhetischen Rating Strasser-Score die Zufriedenheit der Frauen mit ihrer Wiederherstellungsoperation nur teilweise widerspiegelt.16 Leider gibt es derzeit jedoch keine besseren Instrumente zum Verständnis der Präferenzen oder Bedürfnisse von Frauen. Daher ist prospektive Forschung erforderlich, um solche Instrumente für kosmetische Ergebnisse zu verbessern.

Dessen ungeachtet gilt BREAST-Q als eine zuverlässige und valide Bewertung der HRQoL für postoperative Patienten.8 Dank der sich ständig weiterentwickelnden Welt der Digitalisierung werden auch neue Möglichkeiten ermöglicht. Apps, E-Mail-Befragungen und elektronische Dokumentation ermöglichen es, die oft noch papierbasierte und personalintensive PROM-Befragung effizient in die klinische Routine zu integrieren. Während die Validität der BREAST-Q von größter Bedeutung ist, sollte auch die Art und Weise, wie sie im Gesundheitswesen eingesetzt wird, berücksichtigt werden. Mit der Integration digitaler Infrastrukturen, die solche PROM-Sets anbieten, in die klinikeigenen IT-Systeme kann es zu erweiterten Feedback-Schleifen, Zeiteffizienz und Konnektivität zwischen Pflegeteams und Patienten beitragen. Dies könnte es ermöglichen, patientenzentrierte objektive Bewertungen von Therapien und gemeinsame Entscheidungsfindung für die Zukunft fortschrittlicher Pflegepraktiken einen Schritt weiter zu bringen. 

Im Grunde genommen sind PROMs einschließlich des BREAST-Q jedoch Hilfsmittel auf dem Weg zum Patienten, und im Mittelpunkt sollten immer die Präferenzen und Erfahrungen der Patienten selbst stehen, da sie die wahren Schiedsrichter ihrer eigenen Gesundheit und der postoperativen Ergebnisse sind. Die Verwendung von PROMs als Assistent für  die Ermittlung der wahren Perspektive des Patienten auf seine Behandlung, um ihn über bessere Praktiken für die Zukunft zu informieren, steht im Mittelpunkt ihrer Verwendung.

Für weitere Informationen darüber, wie heartbeat ONE die Implementierung des BREAST-Q und anderer Messungen unterstützt, wenden Sie sich bitte an unser Team.

 

Breast-Q - Modulare PROMs mischen auf 1
written by:

Lion Thiel

Medical student at the Charité. Writes for heartbeat about science, medicine and politics.

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SOURCES:

  1. http://qportfolio.org/breast-q/ (Accessed August 13th 2020)
  2. https://www.cancerresearchuk.org/health-professional/cancer-statistics/statistics-by-cancer-type/breast-cancer 
  3. Ferlay J, Soerjomataram I, Dikshit R, Eser S, Mathers C, Rebelo M, Parkin DM, Forman D, Bray F. Cancer incidence and mortality worldwide: sources, methods and major patterns in GLOBOCAN 2012. International journal of cancer. 2015 Mar 1;136(5):E359-86.
  4. Pusic AL, Klassen AF, Scott AM, Klok JA, Cordeiro PG, Cano SJ. Development of a new patient-reported outcome measure for breast surgery: the BREAST-Q. Plast Reconstr Surg. 2009 Aug;124(2):345-53
  5. https://eprovide.mapi-trust.org/instruments/breast-q (Accessed August 13th 2020)
  6. Liu LQ, Branford OA, Mehigan S. BREAST-Q Measurement of the Patient Perspective in Oncoplastic Breast Surgery: A Systematic Review. Plast Reconstr Surg Glob Open. 2018;6(8):e1904.
  7. Cohen WA, Mundy LR, Ballard TN, Klassen A, Cano SJ, Browne J, Pusic AL. The BREAST-Q in surgical research: a review of the literature 2009–2015. Journal of Plastic, Reconstructive & Aesthetic Surgery. 2016 Feb 1;69(2):149-62.
  8. Stolpner I, Heil J, Feißt M, Karsten MM, Weber WP, Blohmer JU, Forster T, Golatta M, Schütz F, Sohn C, Hennigs A. Clinical validation of the BREAST-Q breast-conserving therapy module. Annals of surgical oncology. 2019 Sep 15;26(9):2759-67.
  9. https://webcore.mskcc.org/breastq/ (Accessed August 13th 2020)
  10. Ho AL, Klassen AF, Cano S, Scott AM, Pusic AL. Optimizing patient-centered care in breast reconstruction: the importance of preoperative information and patient-physician communication. Plastic and reconstructive surgery. 2013;132:212e–20e.
  11. Atisha DM, Rushing CN, Samsa GP, Locklear TD, Cox CE, Hwang ES, Zenn MR, Pusic AL, Abernethy AP. A national snapshot of satisfaction with breast cancer procedures. Annals of surgical oncology. 2015 Feb 1;22(2):361-9.
  12. Jeevan R, Cromwell DA, Browne JP, Caddy CM, Pereira J, Sheppard C, et al. Findings of a national comparative audit of mastectomy and breast reconstruction surgery in England. J Plast Reconstr Aesthet Surg. 2014;67(10):1333-44.
  13. Fuzesi S, Cano SJ, Klassen AF, Atisha D, Pusic AL. Validation of the electronic version of the BREAST-Q in the army of women study. Breast. 2017;33:44-9.
  14. https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01723423 (Accessed August 13th 2020)
  15. https://www.ichom.org/portfolio/breast-cancer/ (Accessed August 13th 2020)
  16. Eltahir Y, Bosma E, Teixeira N, Werker PM, de Bock GH. Satisfaction with cosmetic outcomes of breast reconstruction: investigations into the correlation between the patients’ Breast-Q outcome and the judgement of panels. JPRAS Open. 2020 Mar 12.